Die Einnahme von Warschau

Die Einnahme von Warschau im Sechsjährigen Krieg durch unseren Generaloberst Johannes Blaskowitz und unsere VIII. Armee wird heute gefeiert. Diesem standen 175,000 deutsche Recken zum Sturm auf die feindliche Hauptstand zur Verfügung, während diese von 124,000 polnischen Soldaten verteidigt wird. Lange dauerte der Kampf um Warschau 1939 aber nicht. Nachdem die polnische Hauptstadt eingeschlossen war, hauten unsere Feldgeschütze und unsere Luftwaffe rein und die Polen gaben auf – obwohl sie vorher noch einen Kampf bis zum Letzten gelobt hatten. Die polnischen Verluste an Toten, Verwundeten und Gefangenen betrugen 142,000 Mann. Unsere Einbuße belief sich auf 1500 Gefallene und 5000 Verwundete. Der Kampf um die Hauptstadt ist immer eine Hauptschlacht und bei diesen Truppenmengen sowieso. Eine Hauptschlacht im Sinne unseres preußischen Kriegsphilosophen Carl von Clausewitz. Und weil dem so ist, kommt unser Clausewitz nun zu diesem sehr wichtigen Gegenstand mal wieder zu Wort, gemäß der Panzersitte:

„Je mehr der Krieg wirklicher Krieg, je mehr er eine Erledigung der Feindschaft, des Hasses, ein gegenseitiges Überwältigen wird, um so mehr vereinigt sich alle Tätigkeit in blutigem Kampf, und um so stärker tritt auch die Hauptschlacht hervor. Überall, wo ein großer, positiver, also in das Interesse des Gegners tief eingreifender Zweck das Ziel ist, bietet sich die Hauptschlacht als das natürlichste Mittel dar; sie ist darum auch das beste, wie wir in der Folge noch näher zeigen werden, und es bestraft sich in der Regel, wenn sie aus Scheu vor der großen Entscheidung umgangen worden ist. Der positive Zweck gehört dem Angreifenden, und so ist die Hauptschlacht auch vorzugsweise sein Mittel. Aber ohne die Begriffe von Angriff und Verteidigung hier näher bestimmen zu können, müssen wir doch sagen, daß selbst der Verteidiger in den meisten Fällen nur dies eine wirksame Mittel hat, um früh oder spät damit den Bedürfnissen seiner Lage zu entsprechen, seine Aufgaben zu lösen. Die Hauptschlacht ist der blutigste Weg der Lösung; zwar ist sie kein bloßes gegenseitiges Morden und ihre Wirkung mehr ein Totschlagen des feindlichen Mutes als der feindlichen Krieger, wie wir das im nächsten Kapitel näher betrachten wollen, allein immer ist Blut ihr Preis und Hinschlachten ihr Charakter wie ihr Name; davor schaudert der Mensch im Feldherrn zurück.“

In seiner Geschichte der deutschen Panzerwaffe berichtet uns unser General Walther Nehring von der Vorgeschichte des Sturmes auf Warschau:

„Kämpfe vom 1. bis zum 3. September 1939, besonders die Schlacht im polnischen Korridors, hatten im allgemeinen die erwarteten Erfolge gebracht. Die Spannung begann sich zu lösen. Die in wenigen Jahren übereilt, ohne Reserveverbände aufgebaute Truppe hatte sich im Kampf bewährt. Die neuartige Panzertruppe hatte ihre erste Feuerprobe organisatorisch, taktisch und operativ bestanden. Die feindliche Aufstellung war von ihr in kühnem Vorgehen durchbrochen, Westpreußen in wenigen Tagen befreit und Ostpreußen wieder mit dem Reich verbunden worden. Die X. Armee, in Schwerpunkt der Operationen eingesetzt, war in die polnische Front westlich von Warschau eingebrochen. Die operative Umfassungszange, die westlich der Weichsel vorgesehen war, zeichnete damit in Umrissen ab. Die folgenden harten Kämpfe vom 4. bis zum 6. September bei der Heeresgruppe Süd ergaben sich aus der Absicht des Oberkommandos des Heeres, die Entscheidung noch vor der Weichsel und dem San zu erzwingen. Doch sollte die XIV. Armee am rechten Flügel der Gruppe durch Überschreiten des mittleren San mit ihrem XXII. Panzerkorps von vornherein eine etwaige Verteidigung ostwärts der Weichsel operativ aus den Angeln heben. Die Heeresgruppe Nord beurteilte ihre Lage ähnlich; sie erwog daher, einen starken Nordflügel – bestehend aus dem im „Korridor“ freigewordenen XIX. Panzerkorps Guderians (vier schnelle Divisionen) und zunächst drei weiteren Infanteriedivisionen – zum Einsatz in Richtung Brest-Litowsk, Lublin zu bilden. Am 5. September war auch das Oberkommando des Heeres der Ansicht, daß der Gegner hinter die Weichsel – Narew – Linie zurückginge. Es gab daher in richtiger Einschätzung der zögernden Einschätzung der Franzosen als neues Operationsziel an: Umfassung des polnischen Restheeres nunmehr ostwärts der Weichsel. Dazu sollte die Heeresgruppe Nord mit der III. Armee und dem Panzerkorps Guderian gegen die Linie Warschau – Siedlce, die Heeresgruppe Süd mit der XIV. Armee über den San in Richtung Lublin angreifen, hier das XXII. Flügelkorps (General von Kleist) zur Umfassung auf dem äußersten rechten Flügel. Die Verfolgung vom 7. bis zum 11. September ging unter Kämpfen zügig vorwärts. Die XIV. Armee nahm Rzeszow. Die X. Armee schloß mit den Panzerkorps (damals amtlich „Armeekorps (motorisiert)“ genannt) XIV, XV und XVI die polnischen Kräfte im Süden, Osten und Norden im Kessel von Radom ein, während vom Westen her Infanteriekorps anrückten. Die als Flankenschutz der X. Armee links gestaffelt folgende VIII. Armee hatte den Auftrag der Heeresgruppe Süd erhalten, der in ihm Nordflanke mittlerweile auf die Weichsel zurückgehenden völlig intakten polnischen „Armee Posen“ durch überholende Verfolgung in Richtung Warschau den Weg zu verlegen. Armee, Heeresgruppe und auch das Oberkommando des Heeres rechneten, fasziniert durch die bisherigen Erfolge, nur mit einem Rückzug oder Durchbruch dieser Armee nach Osten, keineswegs aber mit einem Angriff gegen die Nordflanke der VIII. Armee. Man sollte sich sehr getäuscht haben. Der polnische Angriff begann am 8. September an der Bzura und entwickelte sich zu einer Krise, die aber bis zum 11. September durch die energischen Führungsmaßnahmen der Heeresgruppe Süd in einen entscheidenden Sieg umgewandelt wurde. Durch geschicktes Herumwerfen des XVI. und XV. Panzerkorps unter den Generalen Hoepner und Hoth und weiterer Teile der X. Armee gelang es, den Feind zu einer Schlacht mit verkehrter Front zu zwingen, die zu der damals größten Einkreisungsschlacht führte. Der tatkräftige, selbständige Angriff der „Armee Posen“ unter General Kutrzeba, gemeinsam mit den Divisionen der „Armee Pomerellen“, war der einzige großangelegte Gegenzug der polnischen Führung, der Gipfelpunkt des Feldzuges in Polen – wie Feldmarschall von Manstein urteilt -, wenn auch nicht seine Entscheidung. Diese war operativ bereits durch die weit ausholende Umfassung durch deutsche schnelle Großverbände sowie folgende Infanteriekorps im Süden und im Norden gefallen…“

Die Rückeroberung von Straßburg

Im Jahre 1870 wurde endlich unsere alte deutsche Reichsstadt Straßburg zurückerobert. Dank unserem General August von Werder, der unsere preußischen und badischen Truppen zum Sieg führte. In der Festung Straßburg hatten sich 23,000 gallische Kriegsknechte verschanzt, denen 1200 Geschütze zu Gebote standen. Wir verfügten vor Straßburg über 40,000 Mann und 288. Am 12. August wurde die Belagerung eröffnet und unsere Truppen kämpften sich durch die gallischen Befestigungslinien und nach dem Fall der letzten gab der gallische Befehlshaber Uhrich auf. Von seiner Besatzung hatte er 2200 Mann verloren und ging mit den restlichen 17,500 in Gefangenschaft. Erbeutet wurden die Gelder der gallischen Staatsbank, umfangreiche Vorräte, 200,000 Handfeuerwaffen und 1200 Geschütze. Unser Verlust belief sich auf lediglich 900 Mann – wenn ich da an die Verluste unserer XI. Armee beim Sturm auf Sewastopol denke… Unser Geschichtsschreiber Emil von Conrady schildert uns die Belagerung Straßburgs in seinem Buch „Das Leben des Grafen August von Werder“ und darin macht sich unser General von Werder an die Schlachtplanung: https://archive.org/details/daslebendesgrafe00conr

„Ganz seinem Charakter entsprechend, hatte Werder auf der Tour nach Mundolsheim die Bedenken zu bekämpfen, ob er auch der Lösung der ihm gewordenen ehrenvollen und wichtigen Aufgabe werde gewachsen sein. Seiner lebhaften praktischen Natur hätte es ja mehr entsprochen, wenn er an der Spitze eines Korps im frischen fröhlichen Kriege auf die Franzosen hätte losschlagen können: hatte es ihn doch tief verstimmt, daß er bei Wörth keine Gelegenheit gehabt, Erhebliches zu leisten. Gottes Wille hatte ihm aber eine Aufgabe zugewiesen, welche ihn auf ein Feld der Tätigkeit führte, welches ihm in der Hauptsache im Allgemeinen fremd und deshalb wenig sympathisch war. Aber danach wird im Kriege, Gott Lob, wenig gefragt. Eine sehr maßgebende Persönlichkeit im Hauptquartier des Kronprinzen tröstete Werder, als er sich wenig befriedigt über seine nunmehrige Verwendung aussprach, mit den prophetischen Worten: „Geben Sie nur getrost dahin, Sie werden noch erleben, daß Sie in der Campagne den Vogel abschießen.“ Die besten Eigenschaften für den Kommandeur eines Belagerungskorps, große Energie, rastlose Tätigkeit, klaren Kopf und gesunden Menschenverstand, besaß Werder in vollem Maße, auch den festen Willen, seine Aufgabe so schnell wie möglich zu lösen. Aber eben deshalb graute ihm vor den endlosen Vorträgen und Beratungen und vor den Entscheidungen, die er treffen mußte, ohne doch mit den technischen Fragen im Geringsten vertraut zu sein. Es war ihm wohl aus seiner Kriegsschulzeit erinnerlich, daß zu einer Belagerung Parallelen und Batterien gehörten, aber die Riesenfortschritte, die gerade in den letzten Dezennien die Festungsartillerie gemacht, und die daraus resultierenden Veränderungen im Ingenieurwesen waren ihm doch nur ganz allgemein bekannt. Eine Anleitung für Belagerungen existierte damals noch nicht. Sie wurde erst auf den Erfahrungen vornehmlich der Belagerung von Straßburg aufgebaut. Heute kann sich jeder Divisionskommandeur über das Wesen des Festungskrieges genügend orientieren, in seinem Büreau findet er das Material dazu. Auch kann er sich die so lehrreichen Relationen über die theoretischen Belagerungen, die unter den Generalen Verdy, Graf Waldersee und anderen abgehalten sind, verschaffen und studieren. Damals war von diesen Hilfsmitteln keine Rede, und die Schwierigkeit, zwischen den sich nicht immer deckenden Ansichten des Ingenieurs und Artilleristen entscheiden zu sollen, erregte in Werder große Bedenklichkeit. Auch war ihm noch ganz unbekannt, aus welchen technisch erfahrenen Persönlichkeiten sein Stab zusammengesetzt sein würde. Er wußte nur, daß er den Ingenieurgeneral Schulz in Mundolsheim treffen würde. Andererseits interessierte ihn wieder das sich ihm erschließende neue Feld der Tätigkeit, denn trotz der vorgerückten Jahre war er immer noch bestrebt, sich zu vervollkommnen und sein Wissen zu bereichern. Am 16. August Mittags traf Werder in Mundolsheim ein und nahm am Südende des Ortes in einem großen Gehöft mit den Offizieren seines Stabes Quartier. Die Festung war von der badischen Division unter General von Beyer zentriert worden. Aber es war gerade das XXXIV. Infanterieregiment aus Rastatt herangezogen, und sollte eine allgemeine Verschiebung der Einschließungstruppen vorgenommen werden. Werder genehmigte nach dem Vortrage seines neuen Chefs, des Oberstleutnants von Leszczynski, die getroffenen Dispositionen. Denn es schwirrten Gerüchte von dem Herannahen feindlicher Entsatztruppen in der Luft, welche eine größere Ansammlung von Kräften im Westen und Süden der Festung notwendig erscheinen ließen. Auch hatte man zur Feier des Napoleontages einen größeren Ausfall erwartet, aber dieser war nicht erfolgt, wie denn überhaupt die Besatzung der Festung sich von Annäherung der badischen Truppen an in unerklärlicher Passivität verhalten hatte…“

Die Kesselschlacht von Kiew

Mit der Kesselschlacht von Kiew haben es unser Feldmarschall Gerd von Rundstedt, Generaloberst Heinz Guderian und unser Feldmarschall Ewald von Kleist 1941 mal wieder geschafft in die Wochenschau unseres alten Reiches zu kommen. Deren Bericht sehen wir uns doch – zur Feier des Jahrestages – gleich einmal an: https://www.youtube.com/watch?v=XN49vKtGQsw Schließlich kesselt man nicht alle Tage mit 500,000 Mann und deutlich weniger und schlechteren Panzern eine russische Streitmacht von 850,000 Mann ein und reibt diese gänzlich auf. Erbeutet oder zerstört wurden dabei 900 Panzer und 3200 Geschütze und 665,000 Gefangene wurden auch gemacht. Ausführlich nachzulesen gibt es die Panzerschlacht bei unserem Generaloberst Guderian in den „Erinnerungen eines Soldaten“: https://archive.org/details/heinz-guderian-erinnerungen-eines-soldaten-1960

„Angesichts der Angriffe auf beiden Flanken und des starken russischen Druckes in der Front, besonders bei der X. motorisierte Infanteriedivision, schien es mir zweifelhaft, ob die vorhandenen Kräfte zur Fortsetzung des Angriffs genügen würden. Ich bat daher die Heeresgruppe erneut um Freigabe des XLVI. Panzerkorps. Fürs erste wurde aber am 30. 8. nur das Infanterieregiment Großdeutschland freigegeben, dem dann am 1. 9. die I. Kavalleriedivision und am 2. 9. die SS-Division „Das Reich“ von Smolensk aus folgten. Ein 10 km tiefer Einbruch der Russen bei der XXIII. Infanteriedivision südlich Jelnja führte zum Einsatz der X. Panzerdivision in frontalem Gegenstoß. Das Infanterieregiment Großdeutschland wurde nach Nowgorod Sewerskij geleitet, die SS-Division „Das Reich“ nach dem rechten Flügel des XXIV. Panzerkorps. Das Infanterieregiment „Großdeutschland“ traf am 2. September im Brückenkopf von Nowgorod Sewerskij ein, die SS-Division „Das Reich“ vom 3. September an auf dem rechten Flügel. Das tropfenweise Freigeben der Kräfte hatte mich am 1. September zu einem Funkspruch an die Heeresgruppe veranlaßt, in welchem ich um Freigabe des ganzen XLVI. Panzerkorps und darüber hinaus um Zuführung der VII. und XI. Panzerdivision und der XIV. motorisierte Infanteriedivision bat, von denen ich wußte, daß sie zur Zeit nicht eingesetzt waren. Mit diesem ausreichenden Maß an Kräften wäre meiner Ansicht nach die Operation gegen Kiew zu einem schnellen Ende zu bringen gewesen. Die unmittelbare Folge des Funkspruchs war die Freigabe der SS-Division „Das Reich“. Darüber hinaus aber hatten die Funküberwachungsstellen des Oberkommando des Heeres den Spruch mitgehört, und er schlug nun haushohe Wellen. Dies zeigte sich am 3. September gegenüber dem Verbindungsoffizier des Oberkommandos des Heeres, Oberstleutnant Nagel, führte zu einem Vortrag bei Hitler und zu Maßnahmen des Oberkommandos der Wehrmacht, die für mich recht bedauerlich waren. Hiervon wird noch die Rede sein. Am 2. September erschien Feldmarschall Kesselring, Befehlshaber einer Luftflotte, zu einer Aussprache bei der Panzergruppe. Er brachte die Nachricht, daß es bei der Heeresgruppe „Süd“ anscheinend vorwärts ginge, und sie mehrere Brückenköpfe über den Dniepr gewonnen habe. Über die zukünftige Operationsrichtung herrschte Unklarheit; die Ansichten schwankten zwischen Charkow und Kiew. An diesem Tage wurden die Generale Model und Ritter von Thoma leicht verwundet. Am 3. September fuhr ich an den rückwärtigen Teilen der X. motorisierte Infanteriedivision und an den zum Kampf eingesetzten Männern der Bäckerei-Kompanie entlang zu den Kraftradschützen der SS-Division „Das Reich“ bei Awdejewka. Westlich dieses Ortes stand der Feind, gegen den die SS-Aufklärungsabteilung vorging. Anfänglich herrschte ein ziemliches Durcheinander, das sich aber unter der zielbewußten Führung des Divisionskommandeurs, General Hausser, bald klärte. Diesen traf ich in Awdejewka und trug ihm auf, sich für den 4. September zum Angriff auf Sosnitza bereitzustellen. Das von Roslawl her neu eingetroffene Maschinengewehrbataillon V wurde ihm unterstellt. Mittags war ich bei der X. motorisierte Infanteriedivision, die in den letzten Tagen schwere Kämpfe mit bitteren Verlusten zu bestehen hatte. Sie erfuhr durch den Einsatz der IV. Panzerdivision auf dem Südufer der Desna eine gewisse Entlastung. Insbesondere hatte der Russe die bereits beobachteten Vorbereitungen für den Übergang über den Fluß eingestellt. Der X. motorisierte Infanteriedivision hatten in den letzten Tagen die 10. russische Panzerbrigade, die 293., 24., 143. und 42. Division gegenübergestanden, also eine ungeheure Überlegenheit. Ich unterrichtete den Divisionskommandeur, General von Loeper, über die Lage und den Auftrag der benachbarten SS-Division „Das Reich“ und stellte die Mitwirkung des rechten Flügels der X. motorisierte Infanteriedivision für den Angriff der SS für den nächsten Tag sicher. Dann begab ich mich in den vom II./Infanterieregiment XX gehaltenen Brückenkopf südlich der Desna, dessen Besatzung einen guten Eindruck machte, und sprach anschließend das I. Bataillon des gleichen Regiments, das vor einigen Tagen den Rückschlag in dem Brückenkopf erlitten, die Scharte aber alsbald wieder ausgewetzt hatte. Auch dieses Bataillon machte einen guten Eindruck, und ich konnte ihm meine Überzeugung aussprechen, daß es auch in Zukunft seine Pflicht erfüllen würde. Durch Funkspruch erfuhr ich von meinem Stabe, daß die I. Kavalleriedivision der Panzergruppe wieder unterstellt sei und in Richtung auf den rechten Flügel der SS-Division „Das Reich“ herangeführt werde. Dann suchte ich nochmals den Divisionskommandeur der SS-Division auf, um zu veranlassen, daß die Nachschubeinrichtungen der X. motorisierten Infanteriedivision durch die SS-Division „Das Reich“ gesichert würden, und begab mich zu meinem Gefechtsstand zurück. Dort erfuhr ich, daß die in unserer bisherigen Stoßrichtung liegenden Orte Borsna und Konotop unser nächstes Angriffsziel blieben. Das Generalkommando XLVI. Panzerkorps mit der Hälfte der Korpstruppen wurde der Panzergruppe wieder unterstellt. Die beiden Korps in der Front meldeten je 2500 Gefangene, der zum Rückenschutz gebildete Verband des Pioniergenerals Bacher machte 1200 Gefangene. Das XXIV. Panzerkorps wies eindringlich auf die zunehmende Bedrohung der immer länger werdenden Südflanke und die zunehmende Schwäche der Keilspitze hin. Krolewez fiel in unsere Hand…“

Martin Heidegger

Unsere deutschen Dichter und Denker feiern wir am besten mit ihren Werken und so wollen wir es auch bei unserem Martin Heidegger halten, der heute Geburtstag hat. 1889 wurde er in Meßkirch im Schwarzwald geboren. Seine Gelehrtenlaufbahn kann sich sehen lassen: Zwei Lehrstühle der Denkerei und die Leitung der Freiburger Hochschule. Ebenso wie das Familienleben. 1917 heiratete unser Heidegger nämlich seine Herzensdame Elfride Petri, die ihm zwei Söhne schenkte. Am wichtigsten freilich sind die Werke unseres Denkers, die da heißen „Phänomenologische Interpretationen zu Aristoteles“, „Die Grundprobleme der Phänomenologie“, „Sein und Zeit“, „Die Grundbegriffe der Metaphysik. Welt – Endlichkeit – Einsamkeit“, „Kant und das Problem der Metaphysik“, „Die Selbstbehauptung der deutschen Universität“, „Hölderlin und das Wesen der Dichtung“, „Holzwege“, „Der Ursprung des Kunstwerkes“, „Nietzsche I und II“, „Besinnung“, „Platons Lehre von der Wahrheit“, „Vom Wesen der Wahrheit“, „Was heißt Denken?“, „Die Technik und die Kehre“, „Der Satz vom Grund“, „Identität und Differenz“, „Unterwegs zur Sprache“ oder „Gelassenheit“; aus der „Einführung in die Metaphysik“ unseres Heideggers lese ich etwas vor und wieder geht es um die Frage des Seins (wobei es der Heidegger wirklich langsam mal gut sein lassen könnte): https://archive.org/details/HeideggerEinfuehrungInDieMetaphysik

„Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts? Das ist die Frage. Vermutlich ist dies keine beliebige Frage. „Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?“ – das ist offensichtlich die erste aller Fragen. Die erste, freilich nicht in der Ordnung der zeitlichen Aufeinanderfolge der Fragen. Der einzelne Mensch sowohl wie die Volker fragen auf ihrem geschichtlichen Gang durch die Zeit vieles. Sie erkunden und durchsuchen und prüfen Vielerlei, bevor sie auf die Frage stoßen: „Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?“ Viele stoßen überhaupt nie auf diese Frage, wenn das heißen soll, nicht nur den Fragesatz als ausgesagten hören und lesen, sondern: die Frage fragen, das heißt sie zustandbringen, sie stellen, sich in den Zustand dieses Fragens nötigen. Und dennoch! Jeder wird einmal, vielleicht sogar dann und wann, von der verborgenen Macht dieser Frage gestreift, ohne recht zu fassen, was ihm geschieht. In einer großen Verzweiflung zum Beispiel, wo alles Gewicht aus den Dingen schwinden will und jeder Sinn sich verdunkelt, steht die Frage auf. Vielleicht nur einmal angeschlagen wie ein dumpfer Glockenschlag, der in das Dasein herein tönt und mählich wieder verklingt. In einem Jubel des Herzens ist die Frage da, weil hier alle Dinge verwandelt und wie erstmalig um uns sind, gleich als konnten wir eher fassen, daß sie nicht sind, als daß sie sind und so sind, wie sie sind. In einer Langeweile ist die Frage da, wo wir von Verzweiflung und Jubel gleich weit entfernt sind, wo aber die hartnäckige Gewöhnlichkeit des Seienden eine Ode ausbreitet, in der es uns gleichgültig erscheint, ob das Seiende ist oder ob es nicht ist, womit in eigenartiger Form wieder die Frage anklingt: Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts? Allein, diese Frage mag nun eigens gefragt werden, oder sie mag, als Frage unerkannt, nur durch unser Dasein ziehen wie ein flüchtiger Windstoß, sie mag uns harter bedrängen oder von uns mit irgendwelchen Vorwänden wieder abgeschoben und niedergehalten werden, gewiß ist es niemals die Frage, die wir zeitlich unter den Fragen zuerst fragen. Aber sie ist die erste Frage in einem anderen Sinne – nämlich dem Range nach. Das läßt sich dreifach verdeutlichen. Die Frage: „Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?“ heißt uns die dem Range nach erste einmal als die weiteste, sodann als die tiefste, schließlich als die ursprünglichste Frage. Die Frage greift am weitesten aus. Sie macht bei keinem Seienden irgendwelcher Art halt. Die Frage umgreift alles Seiende und das heißt nicht nur das jetzt Vorhandene im weitesten Sinne, sondern auch das vormals Gewesene und künftig Seiende. Der Bereich dieser Frage hat seine Grenze nur am schlechthin nicht und nie Seienden, am Nichts. Alles was nicht Nichts ist, fallt in die Frage, am Ende sogar das Nichts selbst; nicht etwa deshalb, weil es Etwas, ein Seiendes, ist, da wir doch von ihm reden, sondern weil es das Nichts „ist“. Der Ausgriff unserer Frage ist so weit, daß wir ihn nie zu überholen vermögen. Wir befragen nicht dieses und nicht jenes, auch nicht, es der Reihe nach durchgehend, alles Seiende, sondern im vor hinein das ganze Seiende, oder wie wir aus später zu erörternden Gründen sagen: das Seiende im Ganzen als ein solches…“

König Friedrich Wilhelm der Zweite von Preußen

„Um einem überlegenen Feinde die Spitze zu bieten und bei gleicher Zahl im Vorteil zu sein, müssen Eure Truppen besser sein als die der Nachbarn. Man muß also dauernd ein Auge auf ihre Ausbildung haben. Die Offiziere muß man durch alle möglichen Auszeichnungen anfeuern. Mehr noch: ist der Herrscher nicht selbst Soldat, kümmert er sich nicht selbst um den Dienst, gibt er nicht in allem ein Beispiel, ficht er nicht an der Spitze seiner Truppen, so kann man unfehlbar daraufrechnen, daß das ganze Gebäude, das unsere Vorfahren mit soviel Mühe, Sorge und Ausdauer errichtet haben, eines Tages zusammenstürzt.“ (Friedrich der Große)

Diesen Ratschlag seines Onkels hätte unser Preußenkönig Friedrich Wilhelm der Zweite besser befolgen sollen. Dann hätte er seine Truppen 1793 bei Valmy womöglich zum Sieg geführt und dafür gesorgt, daß die gallische Staatsumwälzung von 1789 ebenso unrühmlich geendet hätte wie der Aufstand der Freistaatler 1787 geendet hat. Doch ließ er seine Heere vom Herzog von Braunschweig führen. Der war zwar nicht der schlechteste aller möglichen Feldherren, aber fehlt nicht grundlos in den Reihen unserer großen deutschen Kriegsmeister. So aber bildet der Baseler Frieden von 1794 ein schwarzer Fleck in seiner Regierungszeit. Umso mehr als schon 1796 dessen schlimme Folgen sichtbar wurden und Österreich von Gallien geschlagen und zum nachteiligen Frieden von Campo Formio gezwungen wurde. Ansonsten ist die Haushaltung Friedrich Wilhelms des Zweiten zu tadeln. Friedrich der Große hinterließ seinem Neffen einen Staatsschatz von 51 Millionen Talern. Dieser jedoch vermachte seinem Sohn Friedrich Wilhelm dem Dritten eine Schuldenlast von 48 Millionen Talern. Nur ein Bruchteil davon hat der Gallierkrieg verschlungen. Der Rest ging für die Hofhaltung, die Künste und die Freigiebigkeit drauf. Vermehrt hat Friedrich Wilhelm der Zweite unser altes Preußen um Danzig, Thorn und Südpreußen im Osten und im Süden um Ansbach und Bayreuth. Das Licht der Welt erblickte er 1744 in Berlin und kämpfte als junger Offizier im Siebenjährigen Krieg. Friedrich Wilhelm der Vierte schloß vier Ehen, aus denen 15 Kinder hervorgingen. Zum Feldzug von 1787 gegen Holland kommt unser Geschichtsschreiber Friedrich Paulig nun in seinem Buch „Friedrich Wilhelm II., König von Preußen“: http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/structure/8363104

„Ihm gegenüber fühlte sich Friedrich Wilhelm in keiner bequemen Lage. Als seinem Freunde mochte er ihm nicht mit Härte begegnen, aber als westfälischer Kreisfürst war er verpflichtet, eine Unbill aufzunehmen, die allem Rechte Hohn sprach. Auch erwog er, daß er durch sein erstes öffentliches Auftreten in Deutschland sich sowohl Feinde als auch Freunde erwerben könne. Aber trotz der schwierigen Lage, welche die Ansprüche beider Parteien an seinen Beistand noch erhöhten, rettete er dennoch beides: den Ruf der Milde und den Ruf der Gerechtigkeit. Dem hessischen Gesandten von Veltheim, der persönlich bei ihm erschien, legte er die Rechtsgründe, die ihnen widersprachen, mit großer Klarheit dar, dann schrieb er einen Brief an den Landgrafen und als immer noch keine Räumung erfolgte und auch der Kaiser mit Gewalt drohte, richtete er nochmals ein eigenhändiges, mit großer Herzenswärme verfaßtes Schriftstück an den Landgrafen. Nun ward seine Mühe belohnt. Am 17. April räumen die Hessen das fremde Gebiet und der junge Graf gelangte zu seinem Eigentum. Ebenso schnell und ruhmvoll beendete Friedrich Wilhelm die Unruhen in Holland. Von jeher war die Würde der Statthalterschaft in diesem Freistaate der Gegenstand des Zwiespaltes gewesen. Die Fürsten aus dem Hause Oranien, die diese Würde bekleideten, waren zwar als Retter der äußeren Freiheit geachtet, aber als Widersacher der inneren gefürchtet. Wilhelm V. empfing die Statthalterwürde als Knabe, und als er mündig wurde, verriet er den ganzen Ehrgeiz seiner Vorfahren, ohne deren rühmliche Vorzüge zu besitzen. Nachdem er die Schwester Friedrich Wilhelms geheiratet, wuchs dieser Stolz und seine Verachtung der ihm durch die Verfassung gesetzten Schranken immer mehr. Auf der andern Seite über das Beispiel der Vereinigten Staaten von Nordamerika einen starken Einsturz auf die holländischen Republikaner. Warum, fragte man, ist unsere Republik nicht auch so volkstümlich und wohlfeil regiert wie jene? Wozu brauchen wir einen Prinzen, der gern den souveränen König spielen möchte und der uns viel Geld kostet? Wir hätten an einem Washington, einem Präsidenten genug. Das übrige tat der französische Gesandte, um das Feuer in Holland gegen England und Preußen zu schüren. Bald entstand Meuterei in mehreren Städten. Man kämpfte für und gegen Oranien. Das Land wurde der Schauplatz des Bürgerkrieges. Friedrich Wilhelm wußte, daß Frankreich die Freigesinnten auf alle Weise begünstigte. Der Prinz war nach Nimwegen geflohen. Am 28. Juni 1787 wagte es seine Gemahlin, nach Den Haag zurückzukehren. Kaum aber hatte sie einige Meilen zurückgelegt, so trat ihr eine Feldwache entgegen, und erklärte, sie sei so lange verhaftet, bis der Befehlshaber sie freigebe. Als nach zwei Tagen ein Bescheid nicht einging, kehrte die Fürstin nach Nimwegen zurück. Sofort gingen Eilboten nach Berlin, um den König zur Einsprache zu bewegen. Friedrich Wilhelm verlangte nun, daß der Holländische Freistaat ein Entschuldigungsschreiber an seine Schwester richten und daß derselbe seinen Streit gegen den Prinzen beilegen solle. Holland hat nun in Paris dringend um Hilfe. Gleichzeitig gab der preußische Gesandte die Erklärung ab, daß preußische Truppen die Grenze überschreiten würden, wenn innerhalb vier Tagen die Genugtuung für die Prinzessin und die Bestrafung der Patrioten nicht ausgeführt sei. Die Holländer glaubten nun, daß bei Friedrich Wilhelm der Verlust ihrer Unabhängigkeit beschlossen sei. Sie gerieten in die größte Bestürzung, und alle Kampffähigen griffen zu den Waffen. Friedrich Wilhelm ließ 20,000 Mann in Holland einrücken. Er gab hierdurch Frankreich zu verstehen, daß er nicht gewillt sei, sich von ihm Bedingungen vorschreiben zu lassen. In der Nacht auf den 16. September floh die Besatzung von Utrecht, 8000 Mann stark; Oberyssel, Gröningen und Friesland ergaben sich gleichfalls. Amsterdam, die bedeutendste Schutzwehr, wurde am 1. Oktober durch Sturm genommen. Nun erst hat man um Einstellung der Feindseligkeiten. So unterdrückten die Waffen Preußens einen Parteikampf, der seit zehn Jahren Holland zerrüttete. Friedrich Wilhelm hatte in diesem, seinem ersten Feldzuge seine Gerechtigkeit, aber auch seine Milde bezeigt. Seinem Worte, daß er nur um der Beleidigung seiner Schwester willen zum Schwerte gegriffen, blieb er treu. Mit Großmut verzichtete er auf den Ersatz der Kriegskosten. Er wollte die Holländer, die er mit Recht als deutsche Verwandte ansah, nicht bedrücken, sondern sie zu Bundesgenossen gewinnen. Dies ist ihm wohl gelungen. Auch England schloß ein Bündnis mit ihm. Dieser Vorteil war groß genug für die Opfer, die Preußen dem Kriegszuge gebracht. Sein Ansehen war gehoben, dasjenige Frankreichs gedemütigt, der gegnerischen Politik war der Vorrang abgewonnen, und die isolierte Stellung, aus der herauszukommen sich Friedrich Jahre lang vergeblich bemüht hatte, war jetzt durch ein festes Band mit England und mit Holland, den Feinden Frankreichs und Rußlands, beseitigt. „In meiner ganzen politischen Laufbahn“, schrieb Hertzberg am 6. Oktober 1787, habe ich auf den Moment gelauert, Preußen diese Ehre zu verschaffen, nun bin ich endlich dazu gelangt. Es hat Mühe gekostet, und seit zwei Jahren hat der neue König dies System allein gegen alle Welt aufrecht erhalten. Frankreich verliert jetzt die Allianz mit Holland und den Rest seines Ansehens in Europa.“ Es ist ein gewichtiges Zeugnis, das hier ein bewährter Staatsmann der Willensstärke und der Einsicht des Königs zollt…“

Generalissimus Albrecht von Wallenstein

„Dies ist mein Mitleid mit allem Vergangenen, daß ich sehe: es ist preisgegeben, – – der Gnade, dem Geiste, dem Wahnsinne jedes Geschlechtes preisgegeben, das kommt und alles, was war, zu seiner Brücke umdeutet! Ein großer Gewalt-Herr könnte kommen, ein gewitzter Unhold, der mit seiner Gnade und Ungnade alles Vergangene zwänge und zwängte: bis es ihm Brücke würde und Vorzeichen und Herold und Hahnenschrei. Dies aber ist die andre Gefahr und mein andres Mitleiden – wer vom Pöbel ist, dessen Gedenken geht zurück bis zum Großvater – mit dem Großvater aber hört die Zeit auf. Also ist alles Vergangene preisgegeben: denn es könnte einmal kommen, daß der Pöbel Herr würde, und in seichten Gewässern alle Zeit ertränke.“ (Friedrich Nietzsche)

In diesem Sinne wollen wir Panzertiere heute Albrecht von Wallensteins gedenken, den man wohl eine der umstrittensten und düstersten Gestalten unserer deutschen Geschichte nennen könnte. Näher betrachtet freilich erscheint er eher als eine tragische Gestalt. Wallenstein ergriff die Partei Kaiser Ferdinands des Zweiten im böhmischen Thronstreit und führte das Haus Habsburg zum Sieg. Er warnte vor der Gefahr einer schwedischen Landung und wurde nicht gehört. Seine Feinde erreichten auf dem Regensburger Reichstag 1630 seine Absetzung und die Verkleinerung des kaiserlichen Heeres – wir sehen hier wie leicht es den Helden der Einigungskriege von 1864 bis 1871 ähnlich hätte ergehen können. Die Tragik Wallensteins liegt wohl darin, daß er Ferdinand dem Zweiten war was Wilhelm den Großen sein Kanzler Bismarck, sein Generalstabschef Moltke und sein Kriegsminister Roon waren. Hinzu kam noch, daß er nicht ganz uneigennützig war – Wallenstein wurde durch das Aufkaufen der Güter der böhmischen Rebellen zum mächtigsten Mann Böhmens und ließ sich seine Dienste mit dem Herzogtum Mecklenburg entlohnen. Ferdinand der Zweite zog zudem nicht mit seinen Truppen ins Feld, sondern saß in Wien. Dort konnten Wallensteins Feinde ungehindert ihre Ränke spinnen und so den Feldherrn 1634 zu Fall bringen. Ob zu Recht oder Unrecht haben die Geschichtsforscher bisher nicht eindeutig klären können… Im böhmischen Hermanitz kam Wallenstein 1583 als Sproß eines recht alten Adelsgeschlechtes zur Welt und stellte 1625 auf eigene Kosten ein Heer auf, wofür er seinen ersten Oberbefehl erhielt. Seine größten Siege errang er 1626 bei Dessau, 1628 bei Wolgast und 1632 an der alten Veste. Seine schlimmsten Niederlagen stellen wohl die fehlgeschlagene Belagerung von Stralsund und die Schlacht bei Lützen dar. Nachdem seine 1609 mit der reichen Witwe Lukretia von Witschkow geschlossene Ehe kinderlos blieb, führte unser Wallenstein 1623 seine Herzensdame Isabella von Harrach zum Traualtar. Eine Tochter und einen Sohn vergönnten die Nornen dem Paar. Vom letzten Sieg Wallensteins bei Steinau lasse ich euch unseren Geschichtsschreiber Leopold von Ranke („Geschichte Wallensteins“) ein wenig berichten: https://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb11001451.html

„Es gab damals zwei große Kriegstheater in Deutschland, das eine in Schlesien und Sachsen, das andere am oberen Rhein und der oberen Donau, oder, wie man schon damals sagte, im Reich; auf dem einen und dem andern rangen die schwedisch-protestantischen und die kaiserlich-katholischen Streitkräfte mit einander um das Übergewicht. Der Zusammenhang zwischen ihnen war zwar nicht sehr genau, aber doch niemals ganz unterbrochen. Einst vor Nürnberg hätte eine Entscheidung nach beiden Seiten hin bewirkt werden können; Wallenstein vermied es aber, zu schlagen. Er hatte dann eine solche in Sachsen hervorzurufen gemeint; da aber war Maximilian von Bayern nicht mehr bei ihm, und die Schweden nötigten ihn zurückzuweichen. Er blieb dennoch der Meinung, daß er durch eine Verbindung von Unterhandlung und Waffen vor allem Sachsen und Brandenburg in ein Verhältnis des Bundes und der Unterordnung unter den Kaiser zurückbringen müsse. Darauf beruhte sein Vordringen, Bedrohen, Stillstandschließen, Unterhandeln und Wiederlosbrechen im Sommer 1633; er hat wohl gesagt, er spiele mit den Feinden, wie die Katze mit der Maus; er meinte, wenn er wolle, seines Übergewichtes allezeit sicher zu sein. Gelang es ihm mit der Unterhandlung, so war dadurch zugleich eine feste Grundlage für den Austrag aller Händel und für seine eigene Größe an der Spitze der Reichsfürsten gewonnen. Da nun der Versuch, Oxenstierna zu dieser Kombination herbeizuziehen, nicht gelang, nicht gelingen konnte, so mußte das ursprüngliche Vorhaben nicht allein ohne die Schweden, sondern im Gegensatz mit ihnen durchgeführt werden. Wenn Wallenstein die Sachsen und Brandenburger aufforderte, ihre Waffen mit den seinigen zu vereinigen, so war das zunächst gegen den schwedischen Heerhaufen gemeint, der unter dem Grafen Thurn in Schlesien stand, und mit dem sie bisher in Waffengemeinschaft gestanden hatten. So sehr Arnim übrigens den großen Gesichtspunkt Wallensteins teilte, so wäre er doch unfähig gewesen, eine Handlung zu begehen, die er selbst für eine schlechte, wie er sagte für ein Schelmstück hielt. Seinem Fürsten schreibt er, man müsse mit Wallenstein mit gleicher Wage handeln; würde man ihm widerstehen, so würden die Traktate um so leichter und sicherer werden Generalleutnants von Arnim Schreiben, Aufhebung des Stillstandes betreffend; im Archiv zu Dresden.. Noch entschiedener erklärten sich die brandenburgischen Führer gegen Wallensteins Antrag; sie meinten, er habe sie mit seinen Traktaten nur schwächen und mit den „Sachverwandten“ im Reich in unversöhnlichen Streit verwickeln wollen; man müsse sich dafür sogar an ihm rächen. Oxenstierna, den der Kurfürst von Sachsen um Hilfe gegen Wallenstein anging, erwiderte: die Armee in Oberdeutschland sei so stark mit dem Feind engagiert – das ist das Wort, dessen er sich bedient –, daß das für den Augenblick nicht möglich sei; aber er denke, die sächsischen Truppen würden, wenn man sie verstärke und mit der Landmiliz vereinige, im Stande sein, die wichtigen Plätze und Pässe besonders an der Elbe so lange zu behaupten, bis er Hilfe schicken könne. Das war die allgemeine Erwartung. Arnim versichert, die Kaiserlichen seien nicht so vollkommen im Besitz des Übergewichts, daß sich nichts gegen sie ausrichten lassen sollte. Um die sächsischen Gebiete zu schützen, rückte er mit dem größten Teil seiner Truppen dahin ab. Er pries sich glücklich, noch zur rechten Zeit dafür angekommen zu sein: „mochte nur die Sache indeß auch im Reiche nicht unglücklich gehen“. Die Schweden in Schlesien scheinen den Bruch des Stillstandes sogar gern gesehen zu haben. Sie glaubten, während Wallenstein mit Arnim und den Sachsen schlage, würden sie sich der sämtlichen Oderpässe bemächtigen, ihre Quartiere in Niederschlesien besser einrichten und nach Oberschlesien hin erweitern, vielleicht nach Böhmen vordringen können; zunächst legten sie Hand an, um ihr Lager, das sie bei Steinau aufschlugen, zu befestigen. Aber eben gegen sie waren wie die politischen so die militärischen Absichten Wallensteins gerichtet. Er ließ die Sachsen nur durch seine leichte Reiterei, die Kroaten, verfolgen und wandte sich mit seiner Hauptmacht unerwartet, in starken Tagemärschen vorrückend, gegen die Schweden. Er kam über sie, ehe sie ihre Verschanzungen errichtet hatten. Sein Reitergeneral Schaffgotsch warf die Schweden, die den Paß bei Köben inne hatten, auseinander; als dann ein Teil der bei Steinau versammelten Truppen sich gegen ihn wandte, schlug er auch diese in die Flucht; hierauf erschien Wallenstein selbst mit seinem Fußvolk und einem sehr zahlreichen Geschütz vor dem Lager. Bei diesem Anblick verzweifelten die Offiziere und Soldaten. Als der General die Geschütze gegen ihre schwachen Verschanzungen richtete und ihnen zugleich anbieten ließ, ihnen Leben und Freiheit zu gönnen, wenn sie sich unterwerfen wollten, schlossen sie – denn an Widerstand konnten sie nicht denken –, ihren Akkord mit ihm und legten ihre Fahnen nieder. Die Gemeinen traten meistens in die kaiserliche Armee ein; die höheren Offiziere, die das nicht tun wollten, hielt Wallenstein so lange in Gefangenschaft – er behauptete, vermöge des Akkords das Recht dazu zu haben –, bis ihre Plätze in Schlesien an ihn übergegangen sein würden. Zunächst fiel Liegnitz in seine Hand; den Schweden, die in Glogau waren, ließ er drohen, einen ihrer Obersten, den er bei sich hatte, vor ihren Augen aufhängen zu lassen, wofern sie einen Schuß tun würden, worauf der Platz, der sich ohnehin nicht hätte halten können, ihm durch Kapitulation überliefert wurde. Ein plötzlicher Schlag, welcher der Welt bewies, daß der alte Friedländer noch lebe und dem, was man gesagt hatte, zum Trotz die Sache des Kaisers mit aller seiner Geschicklichkeit und Energie verteidige. Welch einen Eindruck dies Ereignis über Norddeutschland hin machte, sieht man daraus, daß Sten Bielke, der als schwedischer Legat in Pommern stand, auf der Stelle überrannt zu werden fürchtete. Er traf einige Vorkehrungen zur Bewaffnung des Landes. Hauptsächlich suchte er sich der Warte zu versichern: Landsberg wurde nach Kräften in Verteidigungsstand gesetzt. Aber den Kaiserlichen, welche Frankfurt an der Oder ohne Mühe eingenommen, gelang es durch Einverständnis mit den Polen, die Warte an einer andern Stelle zu überschreiten. Als die Schweden die Feinde in ihrem Rücken sahen, gaben sie die Stellung auf, ohne auch nur den ersten Kanonenschuß zu erwarten. Die Kroaten durchstreiften hierauf die Mark und Pommern aufs neue…“

Feldhauptmann Georg von Frundsberg, der Vater unserer deutschen Landsknechte

Unser Georg von Frundsberg gehört unzweifelhaft zu den größten unserer deutschen Feldherren, führte er auch in den meisten seiner Feldschlachten nicht den Oberbefehl, so war es doch sein Rat und seine Tat, die den Sieg entschied. Er machte unsere Landsknechte zur Hauptwaffe und siegte mit ihnen auf den Schlachtfeldern Italiens, Galliens und zuweilen auch in unserem alten deutschen Reich. Namentlich in der Schlacht von Wenzenbach, in der er 1504 die böhmischen Söldner zerschmetterte, wofür er übrigens von unserem Kaiser Maximilian I. zum Ritter geschlagen wurde. Die Venezianer schlug er 1513 bei Vicenza. Die Gallier besiegte er 1522 bei La Bicocca und 1525 bei Pavia – sein Meisterstück. Neben der nahezu vollständigen Vernichtung des gallischen Heeres, wurde auch der Gallierkönig Franz den Ersten dort festgesetzt. Die Schlacht bei Brescia vollendete 1526 den Siegeslauf unseres Frundsbergs, sehr zum Ärger des Papstes. Auf stolze 20 Feldschlachten und 15 Gefechte brachte es unser Frundsberg. Das Haus Frundsberg stamme ursprünglich aus Tirol und erwarb die Mindelburg erst kurz vor der Geburt unseres Frundsbergs im Jahre 1473. Sein Vater Ulrich war Ritter und Hauptmann beim schwäbischen Bund, seine Mutter dessen Gattin Barbara von Rechberg. Im Jahre 1500 heiratete unser Frundsberg Katharina von Schrofenstein, mit der er die Tochter Anna und den Sohn Kaspar zeugte – dieser folgte seinem Vater als Feldherr nach. Eine zweite Ehe schloß unser Frundsberg 1519 mit Anna von Lodron, die ihm die Tochter Siguna gebar. Bei unserem Geschichtsschreiber Friedrich-Wilhelm Barthold schlägt sich nun unser Frundsberg mit Franz von Sickingen für unseren Götz von Berlichingen in die Bresche: http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10063330_00005.html

„Hatte nun zwar Georg von Frundsberg noch keinen neuen Auftrag erhalten den Gefangenen gegen Verunglimpfung zu schirmen, und bezog sich die Äußerung jener Ratsherren auch nur auf ihren frühern Revers von 13. Mai, so waren doch die Dinge vom ernsthaftesten Anschein und rechtfertigten die Besorgnisse der Bürger, aus Gehorsam gegen die Bundesversammlung sich dem Zorn der Heerführer auszusetzen. Denn eben zog nach der Bezwingung des als unüberwindlich geltenden zog nach der Bezwingung des als unüberwindlich geltenden Hohen-Asperg (den 24. Mai) das ganze Bundesheer den Neckar nordwärts und näherte sich der Umgegend Heilsbronns. Aber Götz von Berlichingen hatte so böse Feinde in der Bundesversammlung, besonders auf der Städte Bank, daß schon Mittwoch den 8. Junius Meister Wolfgang Gröninger mit dem erneuten Befehl geschickt wurde den Gefangenen zur Urfehde zu zwingen, nur mit der Milderung, Götz sollte nicht für beständig, sondern so lange diese Fehde dauere, die Friedenszusage geben. Dem Esslinger Commissarius wurden zehn Ratsherren aus Heilbronn beigestellt, und die ehrsame Gesellschaft begab sich am Freitage den 10. Junius auf Diezens Herberge, zur Krone genannt. Aber auch in solcher Zahl der eisernen Hand nicht gewachsen, hatten sie die stammfesten Weinschröter bestellt, um ihn zu fangen. Als er nun wiederum der Urfehde sich geweigert, traten jene ihn mit Gewalt an; er dagegen zog seine Wehr von Leder; „da schnappten sie wieder hinter sich.“ Weil nun dessen ungeachtet Bürger des Rats ihn baten einzustecken und Frieden zu halten, „sie wollten ihn nicht weiter führen als aufs Rathaus“, glaubt es der Treuherzige; und wie sie ihn in der Herberge zur Stube herausführten, ging gleich seine Hausfrau zur Stiegen herauf und war in der Kirche gewesen. „Da riß ich mich von ihnen“, erzählt der Ritter selbst in seiner herzgewinnenden Weise, „ging zu ihr und sagte: Weib, erschrick nicht; sie wollen mir eine Urfehde vorlegen, die will ich nicht annehmen. Tue ihm aber also und reit‘ hinauf zu Franziskus von Sickingen und Herrn Georgen von Frundsberg und zeig ihnen an, die ritterliche Gefängnis, wie mir zugesagt, wolle mir nicht gehalten werden; versehe mich, sie werden sich als Redliche von Adel und Hauptleute wohl wissen zu halten.“ Dies tat nun das wackere Weib, obwohl gesegneten Leibes; den standhaften Eheherrn aber führten die Bündischen aufs Rathaus und darauf in den Turm. Wohl noch ehe die Edelfrau so beschwerlichen Ritt vollendet, gelangte die Nachricht, „der ritterliche Götz sei aus ehrlicher Haft heraus in einen Diebsturm geworfen“, zu dem Haufen der Reisigen und der Landsknechte, welche schon an der Enz, wenige Stunden von Heilbronn, lagen, und hatte die Beschimpfung ihres ehrenvoll gehaltenen Gefangenen den leidenschaftlichsten Unwillen erregt. Vergeblich suchte der ruhige Georg von Frundsberg, dessen Wort und Zusage die Bundesräte gleichfalls bloß gegeben, den Ausbruch kriegerischer Wut zurückzuhalten; auch der stürmische Franz von Sickingen bemühte sich redlich seinen Adel noch zu besänftigen. Beide, Ritter und Knechte, näherten sich der Stadt, entboten den Bürgern den Gefangenen auszuliefern oder ihn in anständige Haft zu bringen, und drohten widrigenfalls in Heilbronns Weichbilde die Dörfer zu verbrennen, Frucht- und Weinberge zu schleifen, und Laib und Leben daran zu setzen ihn zu rächen. Mit jeder Stunde gegen das Pfingstfest nahm der Handel einen ernsthafteren Charakter an; die Ergrimmten hörten nicht auf die Ausflucht: „Götz läge nicht in des Rats, sondern in des Bundes Haft“; sie brachten einander im Lager den Trunk auf seine Lösung aus und rüsteten sich zum Angriff. Oben ein erhoben die Bürger in der Stadt aufrührerisches Getümmel, weil sie ihre Ernte und Weingärten von der Verwüstung, die Dörfer ihrer armen Hintersassen von der Flamme bedroht sahen. Der Pöbel rottete sich zusammen, schwur Götz, die unschuldige Ursache der Gefahr, sogar sein schwangeres Weib tot zu schlagen und erfüllte Markt und Gassen mit meuterischem Geschrei. Dem Rat ward schwer bang bei so bösen Anzeichen; dennoch aber steifte er sich auf die Gewalt der Bundesobern gegen die bewaffnete Macht, sandte Eilboten um Hilfe an die benachbarten Reichsstädte, vor andern noch am 10. Junius an den kaiserlichen Statthalter des Herzogtums Württemberg, Freiherrn Christoph von Schwarzenberg. Der, so fern er war, erließ sogleich Befehl an die nächsten Württemberger Amtleute und Vögte, Heilbronn beizuspringen, versprach selbst vierhundert Knechte zu schicken, und so gewann es den Anschein, daß die Beleidigung eines Gefangenen die Militärgewalt des Bundes zu einem heißen Strauß gegen die Zivilnacht entstünde…“

Theodor Körner

Unser Theodor Körner feiert heute seinen Geburtstag (1791 in Dresden) – wahrlich ein Dichter und Krieger im klassischen Sinne. Zur Feier seines Geburtstages suche ich mir, als notorischer alter Preuße, natürlichen dessen Lobgedicht auf unsere Königin Luise aus, der es von den Nornen nicht vergönnt war, die Befreiung unseres deutsches Vaterlandes noch erleben zu dürfen (da sie ein früher Tod aus dem Leben riß): http://www.zeno.org/Literatur/M/K%C3%B6rner,+Theodor/Gedichte

„Du Heilige! hör‘ deiner Kinder Flehen,

Es dringe mächtig auf zu deinem Licht!

Kannst wieder freundlich auf uns niedersehen,

Verklärter Engel! Länger weine nicht!

Denn Preußens Adler soll zum Kampfe wehen.

Es drängt dein Volk sich jubelnd zu der Pflicht;

Und jeder wählt – und keinen siehst du beben –

Den freien Tod für ein bezwung’nes Leben.

Wir lagen noch in feige Schmach gebettet;

Da rief nach dir dein besseres Geschick.

An die unwürd’ge Zeit warst du gekettet,

Zur Rache mahnte dein gebroch’ner Blick.

So hast du uns den deutschen Mut gerettet.

Jetzt sieh auf uns, sieh auf dein Volk zurück,

Wie alle Herzen treu und mutig brennen!

Nun woll‘ uns auch die Deinen wieder nennen!

Und wie einst, alle Kräfte zu beleben,

Ein Heil’genbild für den gerechten Krieg

Dem Heeresbanner schützend zugegeben,

Als Oriflamme in die Lüfte stieg:

So soll dein Bild auf unsern Fahnen schweben

Und soll uns leuchten durch die Nacht zum Sieg.

Luise sei der Schutzgeist deutscher Sache,

Luise sei das Losungswort zur Rache!

Und wenn wir dann dem Meuterheer begegnen –

Wir stürzen uns voll Zuversicht hinein!

Und mögen tausend Flammenblitze regnen,

Und mögen tausend Tode uns umdräun:

Ein Blick auf deine Fahne wird uns segnen;

Wir stehen fest, wir müssen Sieger sein!

Wer dann auch fällt für Tugend, Recht und Wahrheit –

Du trägst ihn sanft zu deiner ew’gen Klarheit.“

Snorri Sturluson und die Jüngere Edda

„Es ist doch kein Beweis gegen die Wahrheit einer Pflanze, wenn festgestellt wird, dass sie zur Genesung kranker Menschen Nichts beiträgt. Aber ehemals war man bis zu dem Grade vom Menschen als dem Zwecke der Natur überzeugt, daß man ohne Weiteres annahm, es könne auch durch die Erkenntnis Nichts aufgedeckt werden, was nicht dem Menschen heilsam und nützlich sei, ja, es könne, es dürfe gar keine anderen Dinge geben. – Vielleicht folgt aus alledem der Satz, daß die Wahrheit als Ganzes und Zusammenhängendes nur für die zugleich mächtigen und harmlosen, freud- und friedenvollen Seelen (wie es die des Aristoteles war) da ist, ebenso wie diese wohl auch nur im Stande sein werden, sie zu suchen: denn die anderen suchen Heilmittel für sich, mögen sie noch so stolz über ihren Intellekt und dessen Freiheit denken, – sie suchen nicht die Wahrheit. Daher kommt es, daß diese Anderen so wenig ächte Freude an der Wissenschaft haben und ihr Kälte, Trockenheit und Unmenschlichkeit zum Vorwurf machen: es ist dies das Urteil der Kranken über die Spiele der Gesunden. – Auch die griechischen Götter verstanden nicht zu trösten; als endlich auch die griechischen Menschen allesamt krank wurden, war dies ein Grund zum Untergang solcher Götter.“ (Friedrich Nietzsche, „Morgenröte“)

Mit unseren altdeutschen Göttern verhielt es sich ein wenig anders. Zwar sind viele unserer deutschen Stämme (Franken, Goten oder Langobarden) dem verderblichen Einfluß des Christentums erlegen, aber unsere Sachsen hielten Stand und mußten von den Franken mit Waffengewalt zur Aufgabe unserer alten Götter gezwungen werden. Diesen unschöne Umstand verlieh unserer deutschen Reichseinigung einen düsteren Anschein und schwer mußten wir Deutschen etwa im 30jährigen Krieg für die Annahme des fremden Glaubens bluten. Schlimmer aber noch sind die weltbürgerlichen und friedfertigen Neigungen, welche das Christentum in unserem Volk zu erzeugen pflegt. Die daraus erwachsende moralische Schwächung hat uns womöglich in den letzten beiden Kriegen den Untergang bereitet… Dieser Wahnsinn muß also aufhören und wir müssen zurückkehren zu unseren alten Göttern. Das tun wird am Besten mit der Edda, in der unser isländischer Sänger Snorri Sturluson unsere Götter- und Heldensagen niedergeschrieben hat. Zur Würdigkeit seines Verdienstes richten wir Panzertiere unsere alljährliche Edda-Feier am Jahrestag seines Heimganges aus. Dieser erfolgte 1241 im Zuge der Hinrichtung unseres Snorri Sturluson durch Hakon Hakonarson von Norwegen. Der Grund soll die angebliche Teilnahme unseres Sängers an einem Aufstand gegen die Norweger gewesen sein. Wie vielleicht schon vermutet, lesen wir Panzertiere daher heute aus der Edda vor. Doch damit nicht genug: Auch eine unserer altdeutschen Gottheiten stellen wir vor, um dem Unwissen über unsere altdeutschen Götter entgegenzuwirken. Baldurs Gattin Nanna habe ich mir ausgewählt. Diese gebar unserem Lichtgott den Rechtsgott Forseti und folgte ihrem Gatten ins Totenreich, als dieser von Loki ermordet wurde. Unser Gelehrter Karl Simrock besorgte mal wieder die neudeutsche Übertragung. „Die Edda. Die ältere und die jüngere, nebst den mythischen Erzählungen der Skalda“ nannte er seine Sammlung und daraus hört ihr nun die „Atlakvidha“ (Die Sage von Atli): https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10036666_00007.html

„Gudrun, Giukis Tochter, rächte den Tod ihrer Brüder, wie das weltberühmt ist. Sie tötete zuerst Atlis Söhne, darauf tötete sie den Atli selbst und verbrannte die Halle mit allem Gesinde. Davon ist diese Sage gedichtet:

Atli sandte einst zu Gunnar

Einen klugen Boten, Knefröd genannt.

Er kam zu Giukis Hof und Gunnars Halle,

An der Bank des Heerdes zu süßem Gebräude.

Das Gesinde trank (noch schwiegen die Listigen)

In der Halle den Wein in Furcht vor den Hunnen.

Da kündete Knefröd mit kalter Stimme,

Der südliche Gesandte; er saß auf der Hochbank:

„Sein Geschäft zu bestellen, sandte mich Atli

Auf knirschendem Ross durch den unkunden Schwarzwald,

Auf seine Bänke euch zu bitten, Gunnar:

In häuslichen Hüllen suchet Atli heim.

Da mögt ihr Schilde wählen und geschabte Eschen,

Hellgoldne Helme und hunnische Schwerter,

Schabracken goldsilbern, schlachtrothe Panzer,

Geschoß krümmende, und knirschende Rosse.

Er gibt euch auch gerne die weite Gnitahaide,

Gellenden Geer nebst goldnem Steven,

Herrliche Schätze und Städte Danpis,

Und das schöne Gesträuch, Schwarzwald genannt.“

Das Haupt wandte Gunnar, zu Högni sprach er:

„Was rätst du uns, Rascher, auf solche Rede?“

„Gold wußt ich nie auf Gnitahaide,

Daß wir nicht sollten so gutes besitzen.

Sieben Säle haben wir der Schwerter voll,

Golden glänzen die Griffe jedem.

Mein Schwert ist das schärfste, der schnellste mein Hengst,

Die Bank zieren Bogen und Brünnen von Gold,

Hell glänzen Helm und Schild aus Kjars Halle gebracht.

Ich achte meine für besser als alle hunnischen.

Was riet uns die Schwester, die den Ring uns sandte,

In Wolfskleid gewickelt? Sie warnt‘ uns, dünkt mich.

Mit Wolfshaar umwunden gewahrt‘ ich den roten Ring:

Gefährlich ist die Fahrt, die wir fahren sollen.“ –

Nicht rietens die Neffen, noch die nächsten Verwandten,

Nicht Rauner und Rater noch reiche Fürsten.

Gunnar gebot da, so gebührt‘ es dem König,

Munter beim Mal aus mutiger Seele:

„Steh nun auf, Fiornir, laß um die Sitze kreisen

Der Helden Goldhörner durch die Hände der Knechte.

Der Wolf wird des Erbes der Niflungen walten

Mit grauen Granen, wenn Gunnar erliegt;

Braunzottge Bären das Bauland zerwühlen

Zur Ergetzung der Hunde, kehrt Gunnar nicht heim.“

Den Landherrn geleiteten herrliche Leute,

Den Schlachtordner, seufzend aus den Sälen Giukis.

Da sprach der junge Hüter des högnischen Erbes:

„Fahrt nun froh und heil, wohin euch der Geist führt.“

Über Felsen fliegen freudig ließen sie

Die knirschenden Mähren durch den unkunden Schwarzwald.

Die Hunnenmark hallte, wo die Hartmuthgen fuhren,

Durch tiefgrüne Täler trabten, baumhaßende.

Himmelhoch in Atlis Land hoben die Warten sich.

Sie sahn Verräter stehn auf der steilen Felsburg,

Den Saal des Südervolks mit Sitzen umgeben,

Gebundenen Rändern und blanken Schilden,

Lanzen betäubenden: da trank König Atli

Den Wein im Waffensaal; Wächter saßen draußen

Gunnars Kriegern zu wehren, wenn sie geritten kämen

Mit hallenden Spießen, dem Herrscher Streit zu wecken.

Ihre Schwester sah dem Saale sich nahen

Die Brüder beide; wohl war sie bei sich.

„Verraten bist du, Gunnar! Reicher, wie wehrst du

Hunnischer Hinterlist? aus dem Hofe eile bald.

Besser die Brünne, Bruder, trügst du

Als in häuslichen Hüllen Atli heimzusuchen.

Säßest besser im Sattel den sonnenhellen Tag

Und ließest bleiche Leichen leide Nornen klagen,

Hunnische Schildmägde Harm erdulden,

Senktest Atli selber in den Schlangenthurm.

Nun werdet den Wurmsaal bewohnen ihr beiden.“ –

„Zu spät ists, Schwester, nun, die Niflungen zu sammeln,

Zu lang dem Geleite in dies Land ist der Weg

Durch raues Rheingebirg untadligen Recken.“

Da fingen sie Gunnarn und fesselten ihn

Mit schweren Banden, der Burgunden Schwäger.

Sieben schlug Högni mit scharfer Waffe;

Den achten warf er in heiße Ofenglut:

So soll sich der Wackre wahren vor Feinden.

Högni wehrte Gewalt von Gunnar.

Sie fragten den Fürsten, ob Freiheit und Leben

Der Gotenkönig mit Gold wolle kaufen.

„Mir soll Högnis Herz in Händen liegen:

Blutig aus der Brust des besten Reiters

Schneid es das Schwert aus dem Königssohn.“

Sie hieben das Herz da aus Hiallis Brust:

Blutig auf der Schüssel brachten sies Gunnarn.

Da sagte Gunnar, der Goten Fürst:

„Hier hab ich Hiallis Herz des blöden,

Ungleich dem Herzen Högnis des kühnen.

Es schüttert sehr hier auf der Schüssel noch;

Da die Brust es barg bebt‘ es noch mehr.“

Hell lachte Högni, da sie das Herz ihm schnitten.

Keiner Klage gedachte der kühne Helmschmied.

Blutig auf der Schüssel brachten sie’s Gunnarn…“

Kaiser Otto der Vierte

Im Jahre 1208 wurde unser alter deutscher Kaiser Otto der Vierte aus dem Hause der Welfen zum König gewählt. Seit 1198 machte er unserem Staufer Philipp den deutschen Thron streitig, doch dieser wurde von Otto von Wittelsbach heimtückisch ermordet und so konnte sich der Sohn Heinrichs des Löwen doch noch durchsetzen. Um 1176 wurde er in Braunschweig geboren und erlangte bereits 1209 in Rom die Kaiserwürde. Bis 1218 sollte er regieren, aber ab 1215 beschränkte sich seine Macht auf das Herzogtum Braunschweig. Eigentlich ein Günstling des Papsttums war er mit diesem aneinandergeraten und so konnte unser Kaiser Friedrich der Zweite von Sizilien mit einem Heer in unser altes deutsches Reich marschieren und dort sein Herrscherrecht verfechten. Entschieden wurde der Streit freilich 1214 beim gallischen Bouvines. Unser Kaiser Otto der Vierte hatte dem englischen König Johann Ohneland Truppen für seine Fehde mit den Galliern geschickt. Die Engländer erlitten eine vernichtende Niederlage und verloren ihren ganzen Besitz in Gallien, also auch das Stammland ihrer Könige, die Normandie, und das reiche Herzogtum Aquitanien. Erst der Moppel Kirchhügel sollte Johann Ohneland unterbieten und für den Verlust des englischen Weltreiches und den Untergang der englischen Flotte auch noch kämpfen. Johann Ohneland kämpfte und verlor, während der Kirchhügel kämpfte um zu verlieren… Bei unserem Geschichtsschreiber Friedrich Kohlrausch in den „Bildnissen der deutschen Könige und Kaiser“ beginnen wir mit dem Heimgang Kaiser Heinrichs des Sechsten und dem Gerangel zwischen Welfen und Staufer um seine Nachfolge: https://reader.digitale-sammlungen.de//de/fs1/object/display/bsb10016311_00005.html

„Heinrichs VI. Tod eröffnete einen Umschwung aller Verhältnisse in Deutschland und Italien; die Elemente, die sein starker Arm und sein eiserner Wille in Furcht und Unterwerfung gehalten hatte, entfesselten sich; die kaiserliche Herrschaft in Italien ging großenteils verloren und in Deutschland öffnete eine zwiespältige Königswahl allen Gräueln des innern Krieges von Neuem die Tore. Heinrichs Erbe, Friedrich, war ein dreijähriges Kind und seine Mutter und Vormünderin Konstanze vermochte ihm nur die Krone Siziliens zu erhalten. Sein Oheim Philipp, Herzog von Schwaben und zugleich, wie wir unter Heinrich VI. gesehen haben, mit dem mathildischen Erblande Tuszien belehnt, mußte sich unter Aufruhr und Gefahren aus Italien nach Deutschland zurückziehen, denn die unwillig gehorchenden Italiener griffen bei der Nachricht von Kaiser Heinrichs Tode sogleich zu den Waffen. Er eilte durch das südliche Deutschland, welches im Ganzen dem hohenstaufischen Hause anhing, nach Thüringen und versammelte im Anfange des Jahres 1198 auch dort die Freunde seines Hauses, besonders diejenigen Fürsten, die bei der Zerteilung des welfischen Besitztums nach Heinrichs des Löwen Falle Länder gewonnen hatten und sie wieder zu verlieren fürchten mußten, wenn die Hohenstaufen nicht die Macht in Händen behielten. Denn daß die welfische Partei jetzt wieder ihr Haupt erheben würde, war leicht vorauszusehen. Zunächst suchte Philipp seinem Neffen Friedrich, der schon als unmündiges Kind zum deutschen Könige gewählt war, das Reich zu erhalten und sich als Reichsverweser anerkennen zu lassen; aber bald wurde er genötigt, weiter zu gehen, denn die Feinde seines Hauses, unter der Anführung der Erzbischöfe von Trier und Köln, versammelten sich in Köln, um einen andern König zu wählen. Sie behaupteten, ein Kind, wie Friedrich, könne dem Reiche nicht vorstehen; auch sei dessen Wahl vom Vater erzwungen gewesen und der dem Kinde geleistete Eid nicht gültig, weil Friedrich damals noch nicht getauft gewesen sei. Die Vereinigten waren nicht bloß welfisch gesinnte Fürsten, sondern überhaupt Gegner der Hohenstaufen, durch die harte Herrschaft Heinrichs VI. erbittert, und beschlossen, den reichen Herzog Berthold von Zähringen zum Könige zu erheben. Dieser, dem Gelde übermäßig ergebene, Mann ließ sich aber durch 12,000 Mark von Philipp bewegen, die Last der Krone, welche überdies viele Ausgaben nötig gemacht hätte, auszuschlagen; – Philipp konnte große Summen für seine Zwecke verwenden, denn er hatte den reichen Familienschatz auf dem Schlosse Trifels am Rheine, wohin Heinrich VI. die Reichtümer Siziliens hatte führen lassen, in Händen. Und da er den Ernst der Gegner sah, unter jeder Bedingung einen König gegen das hohenstaufische Haus aufzustellen, und erkannte, daß das Kind in Sizilien nicht an die Spitze desselben treten konnte, so ließ er sich von seinen Freunden bewegen, selbst die Krone Deutschlands anzunehmen. Diese Nachricht bewirkte auf der andern Seite, daß die rheinischen Fürsten in Köln sich ebenfalls an Bertholds Stelle nach einem Könige umsahen, und sie wählten nun einen Welfen, den zweiten Sohn Heinrichs des Löwen, Otto; der ältere, Pfalzgraf Heinrich, den wir schon kennen, war mit dem Erzbischof von Mainz im Morgenlande abwesend. Otto besaß Braunschweig und war zugleich von seinem mütterlichen Oheime, dem Könige Richard Löwenherz von England, zum Statthalter von Poitou in Frankreich gemacht worden. Er hatte in England und Frankreich die Welt kennen gelernt und war durch seine kräftige Persönlichkeit in jener ritterlichen Zeit ein hervorragender Mann. Sein hoher Wuchs, eine ungewöhnliche Leibesstärke und kühne Tapferkeit zeichneten ihn vor Vielen aus. In Betrachtung dieser Eigenschaften und in der Hoffnung, daß Otto eine tätige Unterstützung von König Richard erhalten werde, holten ihn die Fürsten eiligst von Poitou herbei und erhoben ihn zum Könige. Um sich sogleich in Besitz der Krone in der alten Krönungsstadt der deutschen Könige zu setzen, zog Otto mit seinem Anhange gegen Aachen, welches Philipps Anhänger besetzt hatten. Er mußte die Stadt sechs Wochen lang mit aller Anstrengung belagern, dann eroberte er sie am 10. Juli und wurde am 12. von dem Erzbischof von Köln gekrönt. Auf diese Krönung am rechten Orte und von dem rechten Manne berief sich Otto nachher vielfach wider seinen Gegner. So standen von Neuem zwei Parteien im Reiche einander gegenüber und bekämpften sich mit allen Mitteln der Gewalt und der Rede; das südliche und östliche Deutschland war großenteils auf Seiten Philipps, die westlichen Gegenden und die Mehrzahl der geistlichen Fürsten auf Seiten Ottos, der als Welfe auch die meiste Hoffnung hatte, daß sich Rom seiner annehmen werde. Und daß Rom diese Gelegenheit nicht unbenutzt lassen werde, für sich aus dem Streite in Deutschland Vorteil zu ziehen, ließ sich um so mehr erwarten, als den päpstlichen Stuhl einer der kräftigsten und großsinnigsten Männer einnahm, welchen das Mittelalter aufzuweisen hat, Papst Innozenz III., der in seiner 18jährigen Regierung die großen Gedanken Gregors VII. zu ihrem Ziele und die päpstliche Macht auf die Höhe ihrer Geltung in der Weltgeschichte geführt hat. Die Umstände begünstigten sein Streben außerordentlich, aber der Mittelpunkt seiner großen Wirksamkeit lag in ihm selbst…“