Nicht nur in der Dicht- und Tonkunst zeichnen wir Deutschen uns aus, sondern auch in der Malkunst. Daher finden sich auch einige große deutsche Maler im Panzerschlacht- und Geburtstagskalender. Unser Franz von Lenbach ist einer davon. Im Jahre 1836 wurde er im bayrischen Schrobenhausen geboren. Sein Weg führte ihn über die Kunstschule in Augsburg über München nach Wien und Berlin und wieder zurück. Mit Ausnahme des liberalen Umsturzversuchs von 1848/49 und der Einigungskriege von 1864, 1866 und 1870-71 lebte er in recht ruhigen Zeiten und konnte daher ungestört wirken. Viele der großen Männer seiner Zeit wie unseren Eisernen Reichskanzler Otto von Bismarck, unseren Feldmarschall Helmuth von Moltke, unsere Kaiser Wilhelm I. und Friedrich IV. (III.), unseren Tondichter Richard Wagner oder unseren Geschichtsforscher Theodor Mommsen hat er auf der Leinwand verewigt und so kennt man das ein oder andere seiner Werke vielleicht schon von unseren anderen Panzerfeiern. Den Rest stellen wir zu seinen Ehren heute vor. Sein häusliches Glück fand er 1887 mit der Gräfin Magdalena von Moltke, die ihm zwei Töchter schenkte. Ein zweites Mal heiratete er 1896 Charlotte von Hornstein, mit der er eine weitere Tochter zeugte.

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Konnten im Vierjährigen Krieg die feindlichen Jäger sich noch einigermaßen mit unseren deutschen Jagdfliegern messen, so war dies im Sechsjährigen Krieg durchaus nicht mehr der Fall. Der beste feindliche Jagdflieger hat noch nicht einmal 70 Flieger abgeschossen, während unser Jägerkönig Erich Hartmann 352 bestätigte Abschüsse erreicht hat (hier sei noch angemerkt, daß die Landfeinde eher zu viele Abschüsse gezählt haben, während wir Deutschen da etwas über genau waren). Unser Hauptmann Hans-Joachim Marseille, dessen Geburtstag wir heute feiern, hätte unseren Erich Hartmann wohl übertreffen können. Denn er hatte schon im September 1942 stolze 158 Abschüsse erzielt als ihn ein Unfall abberief. Geboren wurde unser Stern von Afrika 1919 in Charlottenburg und seit 1938 tat er bei unserer Luftwaffe Dienst. Seine Jägerausbildung schloß er im August 1940 ab und nahm daraufhin an der Luftschlacht um England teil. In Afrika war er seit April 1941 am Werk und erhielt für seine Waffentaten das Eiserne Kreuz und das Ritterkreuz mit Eichenlaub, Schwertern und Edelsteinen.

Unser alter Feldmarschall Gerd von Rundstedt hat heute Geburtstag! Als Mitglied einer alten preußischen Soldatenfamilie erblickte 1875 in Aschersleben das Licht der Welt. Von frühester Jugend an widmete er sich dem Waffenhandwerk und diente im Vierjährigen Krieg als Generalstabsoffizier in Gallien. Als ungemein fähiger Offizier wurde er in unsere stark verkleinerte Reichswehr übernommen und stieg, in den finsteren Jahren der Novemberverbrecher, bis zum General auf. Nach deren Sturz half er beim Wiederaufbau unserer deutschen Kriegsmacht mit und brachte es dabei bis zum Generaloberst. Als solcher schied er 1938 aus dem aktiven Dienst aus, aber nicht für lange. Denn mit dem Ausbruch des Sechsjährigen Krieges wurde er zum Befehlshaber unserer Heeresgruppe Süd ernannt und führte diese im Polenfeldzug. Die Folge war die Niederwerfung Polens in etwa einem Monat, wobei die Schlachten von Radom und an der Bzura bemerkenswert sind. Unsere Heeresgruppe Süd wurde dann nach Westen verlegt und in Heeresgruppe A umbenannt. Mit dieser stieß unser Feldmarschall von Rundstedt durch die Ardennen zum englischen Kanal vor und brachte dann auch den Überrest der gallischen Streitkräfte zu Fall. Für seine Leistungen in Gallien wurde er zum Feldmarschall ernannt. Im Rahmen unseres kleinen Präventivschlages gegen Rußland führte er unsere Heeresgruppe Süd, deren Schlachten bei Uman und Kiew man kennen sollte. Wegen Reibereien mit der politischen Führung wurde unser Feldmarschall von Rundstedt dann aber abgelöst. Untätig mußte er aber nicht lange bleiben und fand im Westen eine neue Verwendung als Oberbefehlshaber. Als dieser hat er – mit einer Unterbrechung im Sommer 1944 – dann die Landung der Amerikaner und Engländer bei Dieppe abgewehrt, deren erneuten Einfall in der Normandie bekämpft, das Unternehmen Marktgarten vom alten Scheißhaus Monty zu Fall gebracht und unsere Ardennenoffensive geleitet, letztere leider ohne durchschlagenden Erfolg. Kurzum: Sein Geburtstag muß gefeiert werden. Schon allein, weil er mir sehr dabei geholfen hat, meinen Sichelschnittplan durchzusetzen. Seinen größten Sieg erfocht unser Gerd von Rundstedt aber nicht im Westen, sondern im Osten. Bei Kiew kesselte er nämlich mit 500,000 Mann mindestens 850,000 Russen ein und rieb diese gänzlich auf – mit einem Verlust von 160,000 Mann und 665,000 Kriegsgefangenen. Damit hat sich unser Feldmarschall von Rundstedt das vielleicht größte Cannä der Kriegsgeschichte erfochten. Dazu der recht anschauliche Bericht von der Wochenschau unseres alten deutschen Reiches: https://www.youtube.com/watch?v=XN49vKtGQsw Allein hat er das natürlich nicht getan, sondern hatte dabei viele fleißige Helfer. Einer davon ist unser Panzerheinz Guderian, der uns nun die Eröffnung der Schlacht von Kiew in seinen „Erinnerungen eines Soldaten“ schildert: https://archive.org/details/heinz-guderian-erinnerungen-eines-soldaten-1960

„Dieser Befehl, dessen Wortlaut mir bei meinem Vortrag vom 23. 8. noch unbekannt war, bildete die Unterlage für die nunmehr seitens des OKH und der Heeresgruppe „Mitte“ an meine Panzergruppe erteilten Weisungen. Die herbste Enttäuschung für mich war das Ausscheiden des XXXXVI. Panzerkorps aus der Panzergruppe. Entgegen der Zusicherung Hitlers bestimmte die Heeresgruppe dieses Korps zur Reserve hinter der Front der IV. Armee im Räume Roslawl – Smolensk. Ich mußte mit den von vornherein als unzulänglich erkannten und bezeichneten Kräften des XXIV. und XXXXVII. Panzerkorps in die neue Bewegung eintreten. Mein Einspruch hiergegen verhallte bei der Heeresgruppe ungehört. Als erstes Angriffsziel wurde mir Konotop gesetzt. Die weiteren Weisungen über das Zusammenwirken mit der Heeresgruppe „Süd“ blieben vorbehalten. Bei der gegenwärtigen Gruppierung der Panzergruppe war es unvermeidlich, dem bereits im Räume um Unetscha befindlichen XXIV. Panzerkorps die Aufgabe erneuten Durchbruchs durch die Russen zu stellen und ihm gleichzeitig die Sicherung der rechten Flanke gegen den von Gomel nach Osten abfließenden Feind zu übertragen. Dem XXXXVII. Panzerkorps wurde der Auftrag erteilt, mit der einzigen, sofort verfügbaren Division, der XVII. Panzerdivision die linke Flanke der Panzergruppe durch Angriff auf die südlich Potschep auf dem Ostufer des Südost-Flusses stehenden beträchtlichen russischen Kräfte zu schützen. Der Südostfluss war im übrigen kein Hindernis, auf das man sich in der trockenen Jahreszeit verlassen konnte. Bereits jetzt deckte die XXIX. motorisierte Infanteriedivision an der Desna und am oberen Sudost einen Raum von 80 Kilometer. Ostwärts Starodub stand der Feind noch auf dem Westufer des Südostabschnittes, in der Flanke des XXIV. Panzerkorps. Nach Ablösung der XXIX. motorisierten Infanteriedivision durch Infanterie betrug die Flanke von Potschep bis zum ersten Angriffsziel Konotop 180 Kilometer, und dort fing die Hauptoperation und somit die Hauptbedrohung erst an. Die Stärke des Feindes in der Ostflanke war nur sehr lückenhaft aufzuklären gewesen. Jedenfalls mußte damit gerechnet werden, daß die Kräfte des XXXXVII. Panzerkorps durch die Aufgabe des Flankenschutzes voll beansprucht würden. Die Kampfkraft der Angriffsspitze litt ferner unter der Tatsache, daß das XXIV. Panzerkorps ohne Ruhe und Auffrischung an die neue Operation herangehen mußte, nachdem es eine unaufhörliche Folge schwerer Kämpfe und Märsche zu überstehen gehabt hatte. Am 25. August gingen vor: Das XXIV. Panzerkorps mit der X. motorisierten Infanteriedivision über Cholmy und Awdejewka, mit der III. Panzerdivision über Kostobobr-Nowgorod Sewerskij auf die Desna, während die IV. Panzerdivision zunächst das Westufer des Sudost vom Feinde säuberte und nach Ablösung durch Teile des XXXXVII. Panzerkorps der III. Panzerdivision folgen sollte. Das XXXXVII. Panzer-Korps mit der XVII. Panzerdivision über Potschep auf das Südufer des Sudost zum Angriff in Richtung Trubtschewsk, um sodann durch Übergang auf das linke Ufer der Desna und Vorstoß längs dieses Flusses nach Südwesten dem XXIV. Panzerkorps den Übergang über den breiten Strom zu erleichtern. Die übrigen Kräfte dieses Korps waren noch im Anmarsch aus dem Räume von Roslawl. Für meine Person begab ich mich am frühen Morgen des 25. August zur XVII. Panzerdivision, um dem Angriff über den Sudost und den südlich davon fließenden Rog beizuwohnen. Die Fahrt ging auf elenden Sandwegen unter Reibungen und dem Ausfall mehrerer Fahrzeuge vor sich. Bereits um 12.30 Uhr mußte ich von Mglin Ersatz an Befehlspanzern, Personenkraftwagen und Krafträdern anfordern. Das eröffnete die heitersten Aussichten für die Zukunft. Um 14.30 Uhr erreichte ich den Gefechtsstand der XVII. Panzerdivision fünf Kilometer nördlich Potschep. Der Kräfteeinsatz für den schwierigen Angriff schien mir zu gering bemessen und zu schmal. Daraus mußte sich ein im Verhältnis zum XXIV. Panzerkorps zu langsames Vorwärtskommen ergeben. Der Divisionskommandeur, General Ritter von Thoma, und der bald darauf eintreffende Kommandierende General wurden auf diesen Umstand hingewiesen. Um einen Eindruck vom Feinde zu bekommen, begab ich mich in die vordere Linie des Schützen-Regiments 63 und machte einen Teil des Angriffs zu Fuß mit. Die Nacht verbrachte ich in Potschep. Am 26. August früh suchte ich mit meinem Adjutanten, Major Büsing, eine vorgeschobene Artillerie-Beobachtungsstelle auf dem Nordufer des Rog auf, um mich von der Wirkung unserer Stuka-Bomben auf die russische Flußverteidigung zu überzeugen. Die Bomben lagen gut, die tatsächliche Wirkung war minimal. Immerhin gestattete der moralische Eindruck, der die Russen in ihren Schützenlöchern niederhielt, den Flußübergang fast ohne Verluste. Durch leichtfertiges Verhalten eines Offiziers wurde unser Aufenthalt von russischen Beobachtern erkannt und unter wohlgezieltes Granatwerferfeuer genommen. Ein Treffer in unmittelbarer Nähe verwundete fünf Offiziere, darunter Major Büsing, der auf Tuchfühlung neben mir saß. Wie durch ein Wunder blieb ich unverletzt. Uns gegenüber standen Russen der 269. und 282. Division. Nachdem ich noch dem Übergang über den Rog und dem Fertigstellen einer Brücke beigewohnt hatte, fuhr ich nachmittags über Mglin zum neuen Gruppengefechtsstand Unetscha. Unterwegs erhielt ich die erfreuliche und überraschende Meldung, daß die III. Panzerdivision die 700 Meter lange Desna-Brücke ostwärts Nowgorod Sewerskij durch schneidiges Zupacken der Panzer unter Oberleutnant Buchterkirch (Panzerregiment VI) unversehrt genommen habe. Dieser Glücksumstand sollte unsere demnächstigen Operationen wesentlich erleichtern. Erst gegen Mitternacht traf ich auf dem neuen Gefechtsstand ein. Dort war inzwischen am Nachmittag General Paulus, der Oberquartiermeister I aus dem OKH und operative Mitarbeiter Halders erschienen um sich zu unterrichten. Vollmachten zu Entscheidungen hatte er nicht. Paulus hatte sich in meiner Abwesenheit mit Oberstleutnant Freiherr von Liebenstein über die Lage unterhalten und sich danach mit dem OKH in Verbindung gesetzt, dem er einheitliche Befehlsführung über die linken Flügelkorps der II. Armee und die Panzergruppe sowie den Einsatz der I. Kavalleriedivision am linken Flügel der Panzergruppe vorschlug. Er erhielt die mysteriöse Antwort, daß die Unterstellung von Teilen der II. Armee zur Zeit nicht in Frage komme und die Bewegungen der II. Armee „nur taktisch zu bewerten seien“. Die I. Kavalleriedivision blieb bei der II. Armee, die ihren Schwerpunkt nach rechts legte. Die Panzergruppe erhielt einen Tadel, weil sie „ausholende Bewegungen“ mache. Der Feind an der Desna war aber zu stark, um unbeachtet in der tiefen linken Flanke stehengelassen zu werden, wie dem OKH anscheinend vorschwebte. Er mußte geschlagen werden, bevor wir weiter nach Süden vorgehen konnten. Am nächsten Morgen hatte ich noch eine Aussprache mit Paulus, um ihn in meine Gedankengänge einzuweihen. Er hat sie auch getreulich dem Chef des Generalstabes des Heeres vorgetragen, ohne bei der herrschenden Animosität damit Eindruck zu machen. Am 26.August abends stand der linke Flügel der II. Armee dicht südlich Nowosybkow, die Trennungslinie zur II. Armee lief von Klinzy über Cholmy auf Sosniza (nordostwärts Makoschino an der Desna), die zur IV. Armee von Surash über Unetscha-Potschep-Brassowo. Vom XXIV. Panzerkorps standen die X. motorisierte Infanteriedivision bei Cholmy und Awdejewka, die III. Panzerdivision an der Desna-Brücke südlich Nowgorod Sewerskij, die IV. Panzerdivision im Kampf mit Feind südostwärts Starodub. Beim XXXXVII. Panzerkorps kämpfte die XVII. Panzerdivision bei Semzy, südlich Potschep, die XXIX. motorisierte Infanteriedivision sicherte die linke Flanke der Panzergruppe zwischen Potschep und Shukowka. Sie zog ihre Kräfte mit dem Herankommen der Infanteriedivisionen des XII. und LIII. Armeekorps nach dem rechten Flügel zusammen. Die XVIII. Panzerdivision hatte im Anmarsch von Norden mit den vordersten Teilen Roslawl durchschritten. Senkrecht zu den Bewegungen der Panzergruppe marschierten von Westen nach Osten die CLXVII. Infanteriedivision über Mglin, die XXXI. Infanteriedivision nördlich davon, die XXXIV. Infanteriedivision über Kletnja, die LII. Infanteriedivision über Perelasy, die CCLXVII. und CCLII. Infanteriedivision auf der Straße Kritschew-Tscherikow-Propoisk. Alle diese Divisionen gehörten zur II. Armee. Wäre nur ein Teil von ihnen bei Beginn der Offensive auf Kiew in südlicher Richtung angesetzt worden, so hätte man dem XXIV. Panzerkorps die wiederholten Krisen seines rechten Flügels ersparen können…“

Der Schwedenkönig Gustav Adolph, der Löwe aus Mitternacht und Beschützer Deutschlands hat heute das Licht der Welt erblickt – zu Stockholm im Jahre 1594, um genau zu sein und natürlich nach dem Julianischen Kalender. Sein Vater war König Karl IX. von Schweden und seine Mutter Christine von Holstein. 1620 ehelichte er die brandenburgische Kurprinzessin Maria Eleonora und 1626 kam deren Tochter Christina zur Welt, die ihren Vater 1632 nachfolgen sollte. Etwas über 20 Jahre herrschte dieser von 1611 über Schweden. Seinen Ruhm verdankt er aber vor allem seinem Eingreifen in den 30jährigen deutschen Bürgerkrieg, seine Feldzüge gegen Polen und Rußland dagegen sind eher in Vergessenheit geraten. Obwohl diese überaus erfolgreich waren und Schweden den Besitz großer Teile der Ostseeküste und große Ländereien im Baltikum einbrachten. In der strategischen Feldzugsbetrachtung unseres Carls von Clausewitz kommen wir nun zur Eröffnung des Feldzuges von 1631, wo sich Gustav Adolph überlegenen Kräften unter dem habsburgischen Heerführer Tilly in Mecklenburg gegenübersieht: https://archive.org/details/bub_gb_5ZxDAAAAcAAJ

„Die Erzählung dieses Feldzuges ist vorzüglich geeignet, die Vorstellung vom dreißigjährigen Kriege zu widerlegen, als sei die Strategie in demselben durchaus in ihrer Kindheit, oder vielmehr gar nicht vorhanden gewesen. Man ist gewohnt, sich um den dreißigjährigen Krieg wenig anders zu bekümmern, als um eine allgemeine historische Kenntnis davon zu haben, und etwa die berühmten Namen kennen zu lernen, die von dem reichhaltigen Strom seiner Begebenheiten emporgetragen wurden. Wenn man sieht, wie oft verächtliche Blicke auf die Begebenheiten des dreißigjährigen Krieges geworfen werden, um damit anzudeuten, daß diesen Begebenheiten die Seele, die entfaltete Kunst, fehle, daß man also wohl tue, sich an das Studium der späteren Kriege zu halten, so ist dies ein Irrtum, der befremden muß. Es läßt sich begreifen, daß der Geist des dreißigjährigen Krieges uns fremd geworden ist, weil wir mit der fortschreitenden Kultur manche unmenschliche und barbarische Kriegssitte aufgegeben, und von der anderen Seite dafür auch manche notwendige Bedingung kriegerischer Größe verloren haben. Allein warum wir in dem dreißigjährigen Kriege unsere eigene, bessere Natur verleugnen wollten, ist nicht einzusehen. Gustav Adolphs Operationspläne des Feldzuges von 1631 – Wir setzen absichtlich den Plural, denn das strategische Gerippe, welches den Begebenheiten eines Feldzugs zu Grunde liegt und welches man unter dem Ausdruck Operationsplan kennt, besteht gewöhnlich aus einer Reihe von Entwürfen, welche nach und nach entstehen, so wie nicht genau vorher bekannte Ereignisse eintreten. Es gibt wenige Feldzüge, in welchen der Operationsplan nicht in wesentlichen Teilen einer solchen beständigen Veränderung unterworfen gewesen wäre, wenn auch die Hauptteile dieselben bleiben. Man muß aber diese notwendigen Veränderungen ja nicht mit denen verwechseln, welche aus Mangel an Beharrlichkeit und Konsequenz geschehen. – lassen sich dreist mit denen aller späteren Kriege vergleichen, und was die Nachrichten betrifft, welche wir von diesen Operationsplänen besitzen (was allerdings in Betracht kommt), so können sie den besten in der besten Kriegsgeschichte, die wir haben, im Tempelhof (Aus dieser Bemerkung kann man auf die Zeit zurückschließen, in welcher der Verfasser diesen Aufsatz niederschrieb. Wie er später über Tempelhof urteilte, darüber siehe den Feldzug von 1762. Der Herausgeber), an die Seite gestellt werden. Tilly sammelte die Truppen der katholischen Liga während des Winters und des fortschreitenden Waffenerfolgs Gustav Adolphs. Da sie in allen deutschen Kreisen zerstreut lagen, so hatte er erst Anfang Februar eine beträchtliche Armee, 22,000 Mann stark, zusammengebracht, um sich damit dem Strome der schwedischen Waffen entgegenzustemmen und wo möglich Frankfurt und Landsberg noch zu retten. Man muß im dreißigjährigen Kriege nicht die Wichtigkeit aus den Augen verlieren, welche alle Städte, mehr oder weniger groß, mehr oder weniger befestigt, hatten. Denn nicht nur dienten sie dazu, den Feind aufzuhalten, weil man sich damals noch hinter der unbedeutendsten Mauer einige Tage und hinter einem schlechten Walle Monate lang halten konnte, sondern, und dies war die Hauptsache, alle Lebensbedürfnisse wurden von den Truppen dem flachen Lande entzogen und in die Städte gebracht; man mußte sich also in Besitz der letzteren setzen, wenn man im Besitz des Landes d. i. seiner Produkte sein wollte. Diese Bemerkung, welche allein, aber mit Sicherheit aus der Menge von Vorräten gefolgert werden kann, die wir in allen Städten aufgehäuft und mit ihnen erobert sehen, ist, so viel wir wissen, von keinem Schriftsteller ausgesprochen worden, auch nicht von Mauvillon und Hoyer, von denen man es am ersten hätte erwarten sollen (Mauvillon hat bekanntlich einen Essai historique sur l’art de la, guerre pendant la guerre de trente ans und Hoyer eine Geschichte der Kriegskunst geschrieben; eben so wenig in dem Tableau militaire, welches von Gualdo angehangt ist). Nachdem sich Tilly mit Schaumburg vereinigt und noch einige andere zerstreute Truppen an sich gezogen hatte, bestand seine Armee aus 34,000 Mann. Gustav Adolph hatte ebenfalls eine Verstärkung von 7000 Mann aus Preußen erhalten, so daß seine Hauptarmee etwa 25,000 Mann stark sein mochte. Er hatte seinen Entschluß, den Krieg mit der Hauptarmee durch Mecklenburg gegen das südliche Deutschland fortzusetzen, geändert und sich entschlossen zwischen der Elbe und Oder zu bleiben, um sich nach Schlesien oder Sachsen wenden zu können. Höchst wahrscheinlich war der traurige Zustand, in welchem Gustav Adolph die mecklenburgschen Lande fand, die Veranlassung zu diesem Entschlusse.“

Einer unserer großen deutschen Herrscher ist heute heimgegangen, nämlich unser Kaiser Arnolf im Jahre 899. Der Karolinger wurde um 850 geboren und bestieg 887 den deutschen Thron. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Karl dem Dicken zeigte er sich als überaus fähiger und streitbarer Herrscher, was die Wikinger und Böhmen leidvoll erfahren mußten. Die Wikinger hatten nach ihrer Niederlage an der Dijle 891 genug. Die Böhmen jedoch wollten mehrfach einen Nachschlag haben und bekamen diesen auch in mehreren Feldzügen verabreicht. In Italien fand unser Kaiser Arnolf wenig Widerstand, mußte aber einmal mehr dem Pöbel in Rom eine Abreibung verpassen. In der Nachfolge Karls des Großen nahm er 896 die römische Kaiserwürde an. Nach seiner glücklichen Rückkehr, setzte er seine Feldzüge gegen die Böhmen fort. Die Konradinerin Uta heiratete er 888 und zeugte mit ihr den Sohn Ludwig, der ihm nachfolgte. Von Nebenfrauen hatte er zwei weitere Söhne und eine Tochter. In den Fuldaer und Xantener Jahrbüchern geht unser Kaiser Arnolf nun heim und ihm folgt sein Sohn Ludwig nach: https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10015821_00001.html

Der Kaiser beschloß sein Leben in der Stadt Regensburg, und wird ehrenvoll im Hause des heiligen Emmeramm, des Pontifex und Märtyrers Christi, von den Seinen begraben. Es folgte in der Herrschaft Ludwig, sein Sohn, welcher, damals noch klein, allein von der gesetzmäßigen Gattin ihm geboren war. Dessen Bruder von einem Kebsweib, Zuentibald mit Namen, behielt das gallikanische Reich für sich, doch weil er ungezügelt und grausam sich kirchliches Vermögen anmaßte, vornehmlich sich zu Schulden kommen ließ, daß er dem Trierischen Erzbischof Rabod gegen die priesterliche Würde mit seinem Stock auf den Kopf schlug, wurde er von den Seinen, sowohl Bischöfen wie Grafen, allen verlassen. Als er nun in dem Streben nach Wiederherstellung unvorsichtig mit Wenigen gegen sie kämpfte, endete er mit der Herrschaft sein Leben. Die Bayern brachen durch Böhmen, welche sie an sich zogen, in das Reich der Mähren ein, sengten und verwüsteten Alles drei Wochen hindurch und kehrten endlich glücklich und wohlbehalten nach Hause zurück. Inzwischen hatten die Awaren welche Ungarn heißen ganz Italien verwüstet, dergestalt daß sie sehr viele Bischöfe umbrachten und von den Italischen, welche sich zum Kampf gegen sie erhoben, in Einer Schlacht an Einem Tag zwei und zwanzig Tausend fielen. Auf demselben Wege nun, den sie gekommen waren, zogen sie zurück, Pannonien zum größten Teil verwüstend. Sie schickten Boten zu den Baiern, um unter dem trügerischen Vorwand eines Friedenswunsches das Land auszukundschaften. Was, o Schmerz! das erste Leid und Schaden wie er an allen vergangenen Tagen nie gesehen ist dem bayrischen Reiche gebracht hat. Denn unversehens fielen sie mit starker Mannschaft und sehr großer Heeresmacht über den Fluß Ens feindlich in das bayrische Reich ein, so daß sie auf 50 Meilen in die Länge und Breite mit Feuer und Schwert Alles mordeten plünderten in Einem Tage vernichteten. Als dies die entfernteren Baiern erfuhren, beschließen sie gestachelt von Schmerz entgegen zu rücken; aber die Ungarn hatten dies vorausgesehen und kehrten mit der Beute zurück, woher sie gekommen waren, heim nach Pannonien. Inzwischen brach ein Teil ihres Heeres von der nördlichen Seite des Donau Flusses hervor und verwüstete jene Gegend. Als dies dem Grafen Liutbald bekannt ward, wollte er es nicht ertragen, zog einige Edle der Bayern an sich und setzte, nur von Einem Bischof, dem des passauischen Stuhles, begleitet über die Donau, sie zu verfolgen. Als sich sofort ein Treffen mit jenen entspann, wurde rühmlich gekämpft, aber noch rühmlicher triumphiert. Denn bei dem ersten Zusammenstoß wurde den Christen solche Gnade Gottes zu Teil, daß 1200 Heiden unter den Gefallenen und die in die Donau Gesprungenen tot gefunden wurden. Kaum einen einzigen Christen finden sie in dem Kampfe getötet. Daselbst kamen sie nach dem vom Himmel ihnen gegebenen Sieg zusammen, brachten mit großem Geschrei zum Himmel Gott Dank, der nicht durch die Menge der Menschen sondern in der Fülle seines Erbarmens die auf ihn Hoffenden errettet. Endlich froh nach solchem Siege zogen sie heim zu den Genossen, woher sie gekommen waren, und schleunigst umzogen sie sofort zum Schutze des Reiches eine sehr starke Stadt‘ am Ufer des Flusses Ens mit Mauern. Als sie das vollbracht zog jeder heim.“

Im Jahre 983 ist unser alter Kaiser Otto II. in Rom heimgegangen und – in Unkenntnis seines Geburtstages – wollen wir ihm daher Gedenken. Der Sohn Ottos des Großen und der Adelheid von Burgund bestieg den deutschen Thron im Jahre 973 und regierte zehn Jahre lang. Insgesamt recht gut und glücklich, wenn ihn gegen Ende seiner Herrschaft auch schweres Mißgeschick traf. In der Schlacht von Kroton wurde er von den Sarazenen besiegt und im Osten kam es zum Aufstand slawischer Stämme. Der ottonische Geschichtsschreiber Thietmar von Merseburg widmet sich nun weiterhin den geistlichen Dingen, also dem Zank der Pfaffen um die kirchlichen Pfründe:

„Gisiler aber kam mit Genehmigung des Kaisers am 30. November nach Magdeburg, begleitet vom Bischofe Dietrich von Metz. Dieser, ein Freund des Kaisers, der sehr viel auf ihn hielt, war einer von denen, die Gisiler bestochen hatte; er hatte nämlich für die Verhehlung der Wahrheit 1000 Pfund in Gold und Silber vom Erzbischofe bekommen. Ihm sagte einer, der auf des Kaisers Befehl ihm scherzweise einen Spruch zum Gruße beim Frühmahl zurief: „Dich sättige Gott in jener Welt, da wir es hier allesamt nicht können, – mit Geld!“ Darauf ward alles, was vorher unserer Kirche gehört hatte, auf eine klägliche Weise veräußert, wie eine Familie von Slawen, die angeklagt nach Richters Spruch verkauft und zerstreut wird. Der Teil unsers Bistums, der zwischen der Saale und Elster und Milda (Mulde) und zwischen den Gauen Meißen, Wietau und Teucheren liegt, mit den Dörfern Possenhain und Pissen, ward dem Bischofe Fritherich von Zeitz verliehen. Dem Bischof Wolcold von Meißen aber ward der Teil übergeben, in dem die Dörfer Wiesenburg und Lostau sich befinden, und welcher zum östlichen Gutuzi gehört und von den Flüssen Chemnitz und Elbe begrenzt wird. Für sich aber behielt Gisiler neun Städte, nämlich: Skeuditz, Gautzsch, Wurzen, Püchen, Eilenburg, Düben, Pauch, Löbnitz und Gerichshain. Die Urkunden, welche königliche oder kaiserliche Schenkungen enthielten, verbrannte er entweder, oder ließ sie mit veränderten Namen seiner Kirche zuschreiben. Die Zinsleute und alles, was Merseburg pflichtig und verbunden war, ließ er vorsätzlich zerstreuen, damit eine Wiedervereinigung unmöglich würde. Er stiftete daselbst eine Abtei, über welche er Ohtrad, einen ehrwürdigen Mönch von Sankt Johannes, und nach ihm den Heimo aus demselben Kloster setzte. Jetzt aber merk auf, mein Leser, welche Ereignisse auf diese Vernichtung der Kirche Merseburgs folgten.“

Heute wird der Geburtstag von unserem alten Feldmarschall August von Mackensen gefeiert! Im Jahre 1849 erblickte unser Held in Leipnitz im Sachsenland das Licht der Welt. Er nahm als junger Offizier am Gallischen Krieg von 1870-71 teil. Nach demselbigen blieb er dem Waffenhandwerk treu und stieg bis 1909 zum Befehlshaber unseres XVII. Armeekorps auf. Unser Feldmarschall von Mackensen war im Vierjährigen Kriegen – unserem Feldmarschall Paul von Hindenburg und General Erich Ludendorff – der Dritte im Bunde – neben im Osten. Nach der verunglückten Schlacht von Gumbinnen führte unser Mackensen sein XVII. Armeekorps bei Tannenberg mit großem Erfolg und vollendete die Einschließung der zweiten russischen Armee. Das tat er auch in der Schlacht an den Masurischen Seen – der Fortsetzung von Tannenberg mit den gleichen Mitteln – und den Schlachtbericht entnehmen wir wieder Hindenburgs Buch „Aus meinem Leben“ – da unser Mackensen es leider versäumt hat, uns eine eigenhändige Niederschrift seiner Taten zu hinterlassen: https://archive.org/details/ausmeinemleben30695gut

„Wir nähern uns am 6. und 7. den russischen Verteidigungslinien und beginnen klarer zu sehen. Starke russische Massen bei Insterburg und Wehlau, vielleicht noch stärkere nördlich Nordenburg. Sie bleiben zunächst unbeweglich und stören unsere Kampfentwickelung vor ihrer Front nicht. Unsere beiden rechten Korps, das I. und XVII., beginnen am 7. September die Seenkette zu durchbrechen, die III. Reservedivision schlägt bei Bialla in glänzendem Gefecht die Hälfte des XXII. russischen Korps in Trümmer. Wir treten in die Krisis unserer neuen Operation ein. Die nächsten Tage müssen zeigen, ob Rennenkampf entschlossen ist, zum Gegenangriff zu schreiten, ob sein Wille hierzu so stark ist, wie seine Mittel es sind. Zu seiner an sich schon bedeutenden bisherigen Überlegenheit scheinen drei weitere Reservedivisionen das Schlachtfeld erreicht zu haben. Erwartet der russische Führer noch mehr? Rußland hat mehr als drei Millionen Kampfsoldaten an seiner Westfront; die österreichisch-ungarische Heeresmacht und wir zählen demgegenüber kaum ein Dritteil. Am 8. September entbrennt die Schlacht auf der ganzen Linie. Unser frontaler Angriff kommt nicht vorwärts, auf unserem rechten Flügel geht es besser. Dort haben die beiden Korps die feindliche Seensperre durchbrochen und nehmen Richtung nach Nord und Nordost. Unser Ziel sind nunmehr die gegnerischen rückwärtigen Verbindungen. Unsere Reitergeschwader scheinen freie Bahn dorthin zu haben. Am 9. tobt die Schlacht weiter, in der Front, von Angerburg bis zum Kurischen Haff, ohne bemerkenswertes Ergebnis, dagegen mit kühnem Vorschreiten unsererseits östlich der Seen, wenngleich die beiden Kavalleriedivisionen unerwarteten Widerstand nicht in der gewünschten Schnelligkeit zu brechen vermögen. Die III. Reservedivision schlägt einen vielfach überlegenen Gegner bei Lyck und befreit uns so endgültig von der Sorge im Süden. Wie ist es dagegen im Norden? Bei und westlich Insterburg glauben unsere Flieger nunmehr deutlich zwei feindliche Korps feststellen zu können und ein weiteres solches Korps wird im Anmarsch über Tilsit gesehen. Was wird das Schicksal unserer dünn gestreckten, frontal kämpfenden Korps sein, wenn eine russische Menschenlawine von gegen 100 Bataillonen, geführt von festem, einheitlichem Willen, sich auf sie stürzt? Ist es trotzdem verständlich, wenn wir am Abend dieses 9. September wünschen und sprechen: „Rennenkampf, weiche ja nicht aus deiner für uns unbezwinglichen Front, pflücke Lorbeeren im Angriff aus deiner Mitte!“ Wir hatten jetzt volle Zuversicht, daß wir solche Lorbeeren dem feindlichen Führer durch kräftige Fortführung unseres Flügelangriffes wieder entreißen würden. Leider erkennt der russische Führer diese unsere Gedanken; er findet nicht den Entschluß, ihnen mit Gewalt zu begegnen, und senkt die Waffen. In der Nacht vom 9. auf den 10. dringen unsere Patrouillen bei Gerdauen in die feindlichen Gräben und finden sie leer. „Der Gegner geht zurück.“ Die Meldung scheint uns unglaubwürdig. Das I. Reservekorps will sofort von Gerdauen gegen Insterburg antreten. Wir mahnen zur Vorsicht. Erst um Mittag des 10. müssen wir das Unwahrscheinliche und Unerwünschte glauben. Der Gegner hat in der Tat den allgemeinen Rückzug begonnen, wenn er auch da und dort noch erbittert Widerstand leistet, ja sogar uns starke Massen in zusammenhanglosen Angriffen entgegenwirft. Unsere ganze Front ist in vollem Vorgehen begriffen. Jetzt gilt es, unsere rechten Flügelkorps und Kavalleriedivisionen scharf nach Nordosten gerichtet heran an die feindlichen Verbindungen von Insterburg auf Kowno zu bringen. Wir treiben vorwärts! Ungeduld ist, wenn irgendwann und wo, so jetzt und hier begreiflich. Rennenkampf weicht unentwegt. Auch er scheint ungeduldig zu sein. Jedoch unsere Ungeduld zielt auf Erfolg, die seinige bringt Verwirrung und Auflösung. Die Korps der Njemenarmee marschieren zum Teil in dreifachen, dicht nebeneinander gedrängten Kolonnen Rußland zu. Die Bewegung vollzieht sich langsam, sie muß durch Entgegenwerfen starker Kräfte gegen die nachdrängenden Deutschen gedeckt werden. Daher wird besonders der 11. September zum blutigen Kampftag von Goldap bis hin zum Pregel. Am Abend dieses Tages sind wir uns klar, daß nur noch wenig Tage zur Durchführung der Verfolgung zur Verfügung stehen. Die Entwickelung der Gesamtlage auf dem östlichen Kriegsschauplatz macht sich in voller Wucht geltend. Wir ahnen mehr, als daß wir es aus bestimmt lautenden Nachrichten ersehen können: die Operation unseres Verbündeten in Polen und Galizien ist gescheitert! An unser Nachstoßen hinter Rennenkampf über den Njemen hinaus ist jedenfalls nicht zu denken. Soll aber unsere Operation nicht noch im letzten Augenblick innerhalb des großen Rahmens als gescheitert gelten, so darf die feindliche Armee den schützenden Njemen Abschnitt nur derartig geschwächt und erschüttert erreichen, daß die Hauptmasse unserer Verbände zum dringend notwendig gewordenen Zusammenwirken mit dem österreichisch-ungarischen Heere freigemacht werden kann. Am 12. September erreicht die III. Reservedivision Suwalki, also russischen Boden. Mit knapper Not entgeht der Südflügel Rennenkampfs der Einkesselung durch unser I. Armeekorps südlich Stallupönen. Glänzend sind die Leistungen einzelner unserer verfolgenden Truppen. Sie marschieren und kämpfen, und marschieren wieder, bis die Soldaten vor Müdigkeit niederstürzen. Andererseits ziehen wir heute schon das Gardereservekorps aus der Kampffront, um es für weitere Operationen bereitzustellen. An diesem Tage trifft unser Oberkommando in Insterburg ein, das seit dem 11. wieder in deutschem Besitz ist. Ich bin also nicht bloß in Gedanken, sondern auch in Wirklichkeit auf der breiten ostpreußischen Landstraße, vorbei an unseren siegreich ostwärts schreitenden Truppen und an westwärts ziehenden russischen Gefangenenkolonnen in das bisherige Hauptquartier Rennenkampfs gekommen. In den eben erst verlassenen Räumen merkwürdige Spuren russischer Halbkultur. Der aufdringliche Geruch von Parfüm, Juchten und Zigaretten vermag nicht, den Gestank anderer Dinge zu verdecken. Genau ein Jahr später, an einem Sonntag, kam ich von einem eintägigen Jagdausflug zurückkehrend durch Insterburg. Auf dem Marktplatz wurde mein Kraftwagen zurückgewiesen, weil dort eine Dankesfeier zur Erinnerung an die Befreiung der Stadt von der Russennot begangen werden sollte. Ich mußte einen Umweg machen. Sic transit gloria mundi! Man hatte mich nicht erkannt. Am 13. September erreichen unsere Truppen Eydtkuhnen und feuern in die zurückflutenden russischen Scharen hinein. Unsere Artilleriegeschosse sprengen die dichtgedrängten Haufen auseinander, der Herdentrieb führt sie wieder zusammen. Leider kommen wir auch an diesem Tage nicht an die große Chaussee Wirballen-Wylkowyszki heran. Der Gegner weiß, daß dies für einen großen Teil seiner haltlos gewordenen Kolonnen die Vernichtung bedeuten würde. Er wirft deshalb unseren ermattenden Truppen südlich der Straße alles entgegen, was er an kampfwilligen Verbänden noch zur Hand hat. Nur noch ein einziger Tag bleibt uns zur Verfolgung. Nach diesem werden sich die Truppen Rennenkampfs in das Wald- und Sumpfgelände westlich der Njemenstrecke Olita-Kowno-Wileny geflüchtet haben. Dorthin können wir ihnen nicht nachdrängen. Am 15. September waren die Kämpfe beendet. Die Schlacht an den masurischen Seen schloß auf russischem Boden, nach einer Verfolgung von über 100 km, von uns zurückgelegt innerhalb vier Tagen. Die Masse unserer Verbände war beim Abschluß der Kämpfe zu neuer Verwendung bereit. Es ist mir nicht möglich, hier auch noch auf die glänzenden Leistungen einzugehen, die die Landwehr-Division von der Goltz und andere Landwehrformationen im Angriff gegen mehrfache feindliche Überlegenheit im südlichen Grenzgebiet und zum Schutze unserer rechten Flanke fast bis zur Weichsel hin in diesen Tagen gezeigt haben. Der Schluß dieser Kämpfe dauerte über meine Kommandoführung bei der VIII. Armee hinaus an. Er fand unsere Truppen bis Ciechanowo, Przasnysz und Augustowo vorgedrungen.“

Friedrich der Große hat heute eines seiner Meisterstücke vollbracht. Bei Leuthen hat er nämlich 1757 sage und schreibe 60,000 Österreicher (80,000 nach unserem Clausewitz) mit seinen 33,000 Preußen geschlagen. Möglich wurde dieser verwegene Streich durch die schiefe Schlachtordnung. Friedrich der Große machte seinen rechten Flügel deutlich stärker als seinen linken und zerschmetterte so das österreichische Heer ganz und gar. Dessen Trümmer wichen kampflos aus dem Herzogtum Schlesien, welches Friedrich der Große in Folge mühelos wieder in Besitz nehmen konnte. Carl von Clausewitz, seines Zeichens preußischer Kriegsphilosoph, hat einmal, in einem Brief an seine bessere Hälfe Marie, die schlimme Lage Preußens und die Wirkungen der Schlacht von Leuthen dargelegt und einen Auszug aus diesem gebe ich zur Feier des Tages zum Besten:

„Er war in einer blutigen fürchterlichen Schlacht (bei Kolin) in Böhmen geschlagen worden und erhielt sich mit Not und Mühe noch einige Zeit in diesem Lande; er kehrte dann nach Sachsen zurück, wo drei Armeen sich die Hand boten, seine Staaten zu verschlingen. Eine zweite große Schlacht raubte ihm sein Heer in Preußen und dieses ganze Königreich. Eine vierte Armee, der ganzen preußischen Macht allein überlegen, folgte ihm aus Böhmen auf dem Fuße nach. In dieser verzweiflungsvollen Lage dachte der König an keinen Frieden. Aber diese Lage war noch nicht verzweiflungsvoll genug, um die Größe dieses erhabenen Gemütes auszumessen. Eine dritte Schlacht vernichtete bei Breslau den schönsten Teil seines Heeres, und brach die einzige Säule zusammen, auf welcher die Grundfesten des Staates ruhten; zwei Dritteile von Schlesien gingen verloren. So brachte der indes bei Roßbach erfochtene Sieg den König kaum einen Schritt von dem Abgrunde zurück, in welchen sein Staat zu stürzen und ihn unter seinen Trümmern zu begraben drohte. Der König sammelte die Reste seiner Heere und führte sie, dreißigtausend Mann stark, den neunzigtausend Österreichern bei Leuthen in Schlesien entgegen. Er war entschlossen, alles zu verlieren oder alles wieder zu gewinnen, wie ein verzweifelter Spieler und – daß unsere Staatsmänner es sich wohl merken möchten! – in diesem leidenschaftlichen Mute, der nichts ist als der Instinkt einer kräftigen Natur – liegt die höchste Weisheit. Die ruhigste Überlegung des glänzendsten Kopfes kann, entfernt von jeder Gefahr und jedem leidenschaftlichen Antriebe, auf kein anderes Resultat kommen. Davon bin ich ganz überzeugt. Hier, bei Leuthen, errang Friedrich in einer Mordschlacht jenen glänzenden Sieg, der den schönsten Stein in die Strahlenkrone seines Ruhmes fügte und den Staat, wie ein Zauberschlag, aus seinen Trümmern neugefügt hervorgehen ließ. – In dieser ganzen Periode sieht man den König mit einer Freiheit des Geistes und Heiterkeit handeln und leben, die mich bis zur leidenschaftlichen Bewunderung hinreißt. Sie verzeihen mir wohl, herrliche Marie, wenn ich mich hier einen Augenblick gehen ließ; ich habe doch gewiß nichts gesagt, was Ihrer nicht würdig wäre. Hätten doch alle Preußen vornehmen wie geringen Geschlechts den Blick so fest auf diesen glänzendsten Zeitpunkt unserer Geschichte gerichtet wie ich, sie würden früher schon es mehr der Mühe wert geachtet haben, ein so schön errungenes Dasein politischer Freiheit zu behaupten.“

Unser Luftwaffenführer und Befehlshaber im Mittelmeer, Feldmarschall Albert Kesselring, hat heute Geburtstag. Im fränkischen Marktsteft kam er 1885 zur Welt und trat 1904 in unser deutsches Heer ein. Im Vierjährigen Krieg war er noch Artillerist, ging dann aber zu den Fliegern und führte unsere Luftflotten in Polen, Gallien und Rußland mit großem Geschick und Erfolg. Das gelang ihm Anfangs auch im Mittelmeer und Nordafrika, dann wirkte sich aber die Übermacht des Feindes zu unseren Ungunsten aus. Ich gebe – zur Feier des Tages – eine kleine strategische Kritik unseres Kampfes ums Mittelmeer im Sechsjährigen Krieg zum Besten:

„Als zweiter möglicher Weg, der hätte eingeschlagen werden sollen, um Großbritannien niederzuringen, wird der Kampf um das Mittelmeer genannt. Man wirft Hitler, oder der deutschen militärischen Führung überhaupt, vor, daß sie sich nicht aus dem kontinentalen Denken hätten lösen können. Sie hätten niemals die Bedeutung des Mittelmeeres als der Lebensader des britischen Empire erkannt. Daß Hitler rein kontinental gedacht hat, mag richtig sein. Eine andere Frage aber ist, ob einerseits der Verlust seiner Mittelmeerstellung Großbritannien wirklich zur Aufgabe des Kampfes gezwungen haben würde und welche Folgen anderseits die Eroberung des Mittelmeerraumes das Reich gehabt hätte. Es ist unbestreitbar, daß der Verlust seiner Mittelmeerstellung für Großbritannien ein schwerer Schlag gewesen wäre. Die möglichen Folgen in bezug auf Indien, wie in bezug auf den Nahen Osten und damit auf die britische Ölversorgung konnten schwerwiegend sein. Die endgültige Sperrung der Durchfahrt durch das Mittelmeer hätte darüber hinaus die britische Versorgungslage wesentlich verschärft. Wäre aber dieser Schlag tödlich gewesen? Diese Frage ist meiner Ansicht nach doch wohl zu verneinen. Es blieb Großbritannien doch immer noch die Verbindung nach dem Fernen und Nahen Osten um das Kap der Guten Hoffnung offen, die in keinem Fall gesperrt werden konnte. Es sei denn durch eine enge Blockade der britischen Insel mittels des U-Boot- und Luftkrieges, also auf dem erstgenannten Wege. Dies hätte jedoch die Gesamtkräfte der Luftwaffe in Anspruch genommen, so daß für das Mittelmeer nichts mehr übrig geblieben wäre! So schmerzlich der Verlust von Gibraltar, Malta und der Stellung in Ägypten wie im Nahen Osten für Großbritannien auch immer sein mochte, tödlich wäre er nicht gewesen. Dagegen würden diese Einbußen, so wie die Briten nun einmal sind, voraussichtlich deren Kampfeswillen nur noch mehr versteift haben. Die britische Nation hätte sich geweigert, diese Verluste als endgültig hinzunehmen und nur um so erbitterter den Kampf fortgesetzt! Sie hätte aller Wahrscheinlichkeit nach das Schlagwort, daß das Mittelmeer die Lebensader des Empire darstelle, Lügen gestraft. Es ist auch durchaus zweifelhaft, ob die Dominions ihr bei der Fortsetzung des Kampfes die Gefolgschaft verweigert haben würden. Die zweite Frage ist die, welche Folgen der entscheidungssuchende Kampf um das Mittelmeer für das Reich gehabt hätte. Als erstes ist hierzu festzustellen, daß Italien für diesen Kampf wohl eine gute Basis abgeben konnte, daß seine Wehrmacht jedoch nur einen recht bescheidenen Beitrag in diesem Ringen hätte leisten können. Das brauchte nicht erst durch die Ereignisse bewiesen zu werden, sondern war bereits damals zu übersehen. Insbesondere war nicht zu erwarten, daß die italienische Flotte in der Lage sein würde, die Briten aus dem Mittelmeer zu vertreiben. Die Last dieses Kampfes hätte also im wesentlichen von Deutschland getragen werden müssen, wobei die Tatsache erschwerend wirken mußte, daß der Bundesgenosse das Mittelmeer als sein Reservat ansehen und dementsprechende Führungsansprüche stellen würde. Wollte man Großbritannien seiner Mittelmeerstellung berauben, in der Hoffnung, ihm dadurch einen tödlichen Schlag zu versetzen, so mußte man Malta und Gibraltar wegnehmen und die Briten aus Ägypten und aus Griechenland vertreiben. Es unterliegt wohl kaum einem Zweifel, daß die deutsche Wehrmacht, wenn sie den Schwerpunkt der Kriegführung in den Mittelmeerraum verlegte, militärisch diese Aufgabe hätte lösen können. Jedoch der Weg hätte zwangsläufig weiter geführt. Die Wegnahme Gibraltars bedurfte entweder der Zustimmung Spaniens, die tatsächlich nicht erreicht worden ist, oder mußte unter Druck auf Spanien durchgeführt werden. In beiden Fällen wäre das Ende der spanischen Neutralität die Folge gewesen. Es wäre dem Reich nichts anderes übrig geblieben, als die Sicherung auch der Küsten der iberischen Halbinsel mit oder gegen den Willen der spanischen und portugiesischen Regierung und zugleich die Versorgung dieses Gebietes zu übernehmen. Mit Widerständen sowohl in Spanien, wie vor allem in Portugal, das seine Kolonien alsbald von England besetzt gesehen hätte, wäre zu rechnen gewesen. In jedem Fall aber würde die iberische Halbinsel einen erheblichen Teil deutscher Heereskräfte auf die Dauer verschluckt haben. Die Rückwirkung einer gewaltsamen Besetzung der iberischen Länder auf die VSA wie auf die lateinamerikanischen Mächte konnte katastrophal werden. Gelangte man nicht mit Frankreich zu einer wirklichen Verständigung, was angesichts der italienischen und spanischen Ansprüche auf französische Kolonialgebiete ziemlich ausgeschlossen war, so würde in der Folge auch die Besetzung Französisch-Nordafrikas notwendig geworden sein, wenn man verhindern wollte, daß die Seemacht England nicht doch eines Tages wieder im Mittelmeerraum Fuß faßte. Hatte man die Briten aus Ägypten – und falls sie sich in Griechenland festsetzen, auch von dort – vertrieben, so hätte der Weg auch im östlichen Mittelmeer vermutlich zwangsläufig nach den Ländern des Nahen Ostens weitergeführt. Insbesondere unter dem Gesichtspunkt, daß es notwendig sein würde, Großbritannien die Ölzufuhr abzuschneiden. Es ist die Auffassung vertreten worden, daß die Schaffung einer Basis im Nahen Osten Deutschland zwei Vorteile gebracht haben würde. Einmal die Möglichkeit einer Bedrohung Indiens. Zum anderen den Gewinn einer Flankenstellung gegenüber der Sowjetunion, die diese von einem Eingreifen gegen Deutschland abgehalten haben würde. Ich glaube, daß solche Gedankengänge irreal sind. Ganz abgesehen davon, daß es durchaus fraglich war, welche Wirkung die Festsetzung deutscher Streitkräfte in den Ländern des Nahen Ostens auf die Dauer auf die Haltung der dortigen Völker ausgeübt hätte, ist zweierlei festzustellen: Operationen aus dem Bereich des Nahen Ostens gegen Indien oder gegen die Sowjetunion konnten schon aus Nachschubgründen niemals in einer Stärke durchgeführt werden, die einen wirklichen Erfolg verbürgt hätte. Die Seemacht England saß hier immer am längeren Hebelarm. Das Erscheinen Deutschlands im Nahen Osten würde die Sowjetunion keineswegs von einem Eingreifen gegen Deutschland abgehalten, sondern ein solches eher herbeigeführt haben. Er springende Punkt der ganzen Frage eines Kampfes um den Mittelmeerraum scheint mir in folgendem zu liegen. Der Verlust seiner Mittelmeerstellung hätte Großbritannien wohl kaum tödlich getroffen. Des weiteren hätte ein entscheidungssuchender Kampf um das Mittelmeer so starke deutsche Kräfte auf die Dauer gebunden, daß die Verlockung für die Sowjetunion, in den Kampf gegen Deutschland einzugreifen, außerordentlich gestiegen wäre. Dies um so mehr, als dann die Preise, die sich die Sowjetunion vielleicht hätte holen wollen, der Balkan und der vorherrschende Einfluß im Nahen Osten, nur im Kampf gegen Deutschland zu gewinnen gewesen wären. Der Weg über das Mittelmeer, um Großbritannien niederzuringen, stellte einen Umweg dar, vergleichbar dem, welchen Napoleon I. eingeschlagen hatte, als er gedachte, England über Ägypten in Indien tödlich zu treffen. Sein Einschlagen mußte zu einer Festlegung der deutschen Kräfte auf lange Sicht in einer nicht entscheidenden Richtung führen. Eine Festlegung, die einerseits die Aufrüstung des britischen Mutterlandes ermöglicht, andererseits der Sowjetunion die große Chance gegenüber dem Reich gegeben hätte. Der Weg über das Mittelmeer wäre in Wahrheit ein Ausweichen vor der Entscheidung gewesen, die man gegen das britische Mutterland nicht glaubte erzwingen zu können. Damit kommt man zu dem dritten Weg, der im Jahre 1940 zur Debatte stand, dem einer Invasion der britischen Insel. Ehe zu dieser Frage Stellung genommen wird, sei hinsichtlich der Kriegführung im Mittelmeer, wie sie sich tatsächlich ergeben hat, bemerkt, daß auch hier – wie später in Rußland so oft – Hitler an Kräften nie das Notwendige rechtzeitig zur Verfügung stellte. Ein Kardinalfehler ist jedenfalls gewesen, daß er auf die Wegnahme Maltas, die zu einem frühen Zeitpunkt sehr wohl möglich gewesen wäre, verzichtet hat. Dieser Verzicht ist wohl letzten Endes mit von ausschlaggebender Bedeutung für den schließlichen Verlust Nordafrikas mit allen seinen Folgen gewesen.“

Selbst plant unser Feldmarschall Kesselring (in seinem epischen Panzerbuch „Soldat bis zum letzten Tag“) die Einnahme von Rotterdam mittels Fallschirmjägern und Panzerkampfwagen:

„Den ersten Flügen zu den Kommandobehörden folgten von Februar bis Anfang Mai arbeitsreiche Wochen, die mit Einsatz- und Führungsbesprechungen bei den Stäben, Planübungen und Kriegsspielen bei den Truppen, praktischen Übungen im Gelände und in der Luft sowie Exerzierübungen ausgefüllt waren. Nach diesen drei Monaten war ich gut im Bilde. Die zum Teil recht verlustreichen Umschulungen der Verbände auf He 111 (Kampfgeschwader IV) und auf Ju 88 (Kampfgeschwader XXX) waren abgeschlossen, Kommandostellen und Verbände auf ihre ersten Aufgaben eingedrillt und das vollkommene Einvernehmen mit den Heeresstellen hergestellt. Beim Luftlandekorps machte ich am 8. Mai 1940 die Abschlußbesprechung mit, an der alle selbständigen Führer teilnahmen. Die letzten Zweifel wurden noch behoben; die Befehlsführung war nach meinem Geschmack etwas kompliziert, zumal General Student auch die XXII. Infanteriedivision am kurzen Zügel führen wollte. Die Führung wurde noch dadurch erschwert, daß sich Hitler und Göring selbst in die Vorbereitung des Luftlandeunternehmens sehr stark eingeschaltet hatten (Die Einführung der „Hohlminen“ zum Beispiel, die die Panzertürme im Fort Emael knackten, ist der unmittelbaren Initiative Hitlers zuzuschreiben.) und General Student eine gewisse Immediatstellung, die auch gerne angenommen wurde. Es sollte sich schon in den ersten Stunden zeigen, daß die Luftflotte als der einzig ruhende Pol in immer stärkerem Umfang in die Führung des Luftlandeunternehmens eingreifen mußte. General Student wollte, wie schon gesagt, den Befehl an der Front selbst übernehmen. Es wäre besser gewesen, wenn er bei Beginn von seinem rückwärtigen Gefechtsstand aus geführt und die Führung auf dem Gefechtsfeld erst dann übernommen hätte, wenn die beiden Landedivisionen tatsächlich im Kampfraum von einer Führungsstelle aus geführt werden konnten. Selbstverständlich hätte die VII. Fliegerdivision eines eigenen Führungsstabes bedurft, ihn zu schaffen wäre nicht unmöglich gewesen. Daneben gab es noch andere Punkte, die mir Sorge machten. Die Ju 52 als Transporter hatten, trotz der in die Augen springenden Vorteile, große Nachteile; sie hatten keinen schußsicheren Tank, waren behelfsmäßig und dementsprechend ungenügend bewaffnet und hatten keine genügende Reichweite. Der Verkehr über den Absprungstellen verlangte die Einhaltung eines Minutenplans durch viele Stunden. Den Jagdfliegern oblag die Sicherung auf der Hunderte von Kilometern langen Strecke, was bei den Me 109 mit ihrer geringen Flugdauer fast nicht lösbar war, aber von General Osterkamp und seinen prachtvollen Jagdfliegern doch geleistet wurde. Die zeitliche Abstimmung vom vorbereitenden Bombenabwurf gegen die holländischen Flugplätze mit dem Absetzen der Fallschirmer war auf dem Papier leichter als in Wirklichkeit. Dazu kam noch, daß am 9. Mai abends vom Oberbefehlshaber der Luftwaffe der reichlich nervöse Befehl zum Einsatz von zwei schweren Kampfgruppen gegen überraschend aufgetretene Feindfahrzeuge vor der holländischen Küste gegeben wurde, der in meiner Abwesenheit nicht von meinem Chef rückgängig gemacht werden konnte; die Befürchtung war nicht unberechtigt, daß deswegen die Fallschirmerlandungen nicht programmäßig durchgeführt werden könnten. Und trotzdem – wie so oft in den späteren Feldzügen – sah ich den Ereignissen mit Ruhe und hoffnungsvoll entgegen; was wir kleinen Erdenmenschen tun konnten, war getan; zur glücklichen Durchführung mußte der Herrgott seinen Segen geben.“

Unser Theodor Mommsen hat heute – 1817 in Garding – Geburtstag, gemeinhin bekannt als Geschichtsschreiber der alten Römer. Dessen römische Geschichte einem jeden zu empfehlen ist, der sich über das römische Altertum schlau machen möchte, ohne bittere Wehklagen über den Kolonialismus und Imperialismus der Römer sich anhören zu müssen oder gar mit den englischen Geschlechterrollen belästigt zu werden. Eine kleine Leseprobe schadet da sicher nicht. Meine Wahl fällt auf die Heeresreform des Marius. Unser Mommsen äußert hier übrigens die ketzerische Vermutung, daß die Abschaffung der Wehrpflicht in einem Freistaat kein sonderlich guter Einfall sein könnte (der Schuft!): http://www.zeno.org/Geschichte/M/Mommsen,+Theodor/R%C3%B6mische+Geschichte/Zweiter+Band/Viertes+Buch.+Die+Revolution

„Diese vollständige Revolution der römischen Heerverfassung scheint allerdings wesentlich aus rein militärischen Motiven hervorgegangen und überhaupt weniger das Werk eines einzelnen, am wenigsten eines berechnenden Ehrgeizigen, als die vom Drang der Umstände gebotene Umgestaltung unhaltbar gewordener Einrichtungen gewesen zu sein. Es ist wahrscheinlich, daß die Einführung des inländischen Werbesystems durch Marius ebenso den Staat militärisch vom Untergang gerettet hat, wie manches Jahrhundert später Arbogast und Stilicho durch Einführung des ausländischen ihm noch auf eine Weile die Existenz fristeten. Nichtsdestoweniger lag in ihr, wenn auch noch unentwickelt, zugleich eine vollständige politische Revolution. Die republikanische Verfassung ruhte zumeist darauf, daß der Bürger zugleich Soldat, der Soldat vor allem Bürger war; es war mit ihr zu Ende, sowie ein Soldatenstand sich bildete. Hierzu mußte schon das neue Exerzierreglement führen mit seiner dem Kunstfechter abgeborgten Routine; der Kriegsdienst ward allmählich Kriegshandwerk. Weit rascher noch wirkte die wenn auch beschränkte Zuziehung des Proletariats zum Militärdienst, besonders in Verbindung mit den uralten Satzungen, die dem Feldherrn ein nur mit sehr soliden republikanischen Institutionen verträgliches arbiträres Belohnungsrecht seiner Soldaten einräumten und dem tüchtigen und glücklichen Soldaten eine Art Anrecht gaben, vom Feldherrn einen Teil der beweglichen Beute, vom Staat ein Stück des gewonnenen Ackers zu heischen. Wenn der ausgehobene Bürger und Bauer in dem Kriegsdienst nichts sah als eine für das gemeine Beste zu übernehmende Last und im Kriegsgewinn nichts als einen geringen Entgelt für den ihm aus dem Dienst erwachsenden weit ansehnlicheren Verlust, so war dagegen der geworbene Proletarier nicht bloß für den Augenblick allein angewiesen auf seinen Sold, sondern auch für die Zukunft mußte er, den nach der Entlassung kein Invaliden-, ja nicht einmal ein Armenhaus aufnahm, wünschen, zunächst bei der Fahne zu bleiben und diese nicht anders zu verlassen als mit Begründung seiner bürgerlichen Existenz. Seine einzige Heimat war das Lager, seine einzige Wissenschaft der Krieg, seine einzige Hoffnung der Feldherr – was hierin lag, leuchtet ein. Als Marius nach dem Treffen auf dem Raudischen Feld zwei Kohorten italischer Bundesgenossen ihrer tapferen Haltung wegen in Masse das Bürgerrecht auf dem Schlachtfeld selbst verfassungswidrig verlieh, rechtfertigte er später sich damit, daß er im Lärm der Schlacht die Stimme der Gesetze nicht habe unterscheiden können. Wenn einmal in wichtigeren Fragen das Interesse des Heers und des Feldherrn in verfassungswidrigem Begehren sich begegneten, wer mochte dafür stehen, daß alsdann nicht noch andere Gesetze über dem Schwertergeklirr nicht würden vernommen werden? Man hatte das stehende Heer, den Soldatenstand, die Garde; wie in der bürgerlichen Verfassung, so standen auch in der militärischen bereits alle Pfeiler der künftigen Monarchie: es fehlte einzig an dem Monarchen. Wie die zwölf Adler um den Palatinischen Hügel kreisten, da riefen sie dem Königtum; der neue Adler, den Gaius Marius den Legionen verlieh, verkündete das Reich der Kaiser.“